Athas

Perlen vor die Säue

Die zwölfte Aufführung

„Aaah…Wie schön doch so ein aufgeräumtes Zimmer sein kann.“ Lynch steht in seinem neuen Zimmer, nachdem seine gesamte Reisegruppe wegen eines nur schwer zu löschenden und spontan ausgebrochenen Stadtbrandes in ein weniger ascheartiges Gasthaus umziehen musste. „Kein Staub, keine Essensreste auf dem Tisch, keine Reste von Kreidezeichen am Boden und vor allem, keine verwesenden Rattenkadaver vor dem Bett.“
Der Magier lächelt und dreht sich mit ausgestreckten Armen um seine eigene Achse, bevor er sich rücklings auf sein Bett fallen lässt.
Es vergehen nur wenige Augenblicke der Ruhe, bevor erneut die vor Ironie triefende und laszive Stimme von Eve erklingt.
„Ich gebe dem Zimmer maximal drei Tage Meister. Vielleicht solltest du diesmal ein wenig auf Hygiene oder zumindest Seuchenschutzbestimmungen achten.“
„Ach was Eve… das Genie beherrscht das Chaos.“ Lynch lächelt in sich hinein und schließt genüsslich die Augen.
„Nun Meister, da das letzte Zimmer nun wirklich alles andere als beherrscht gewirkt hat, stellt sich die Frage wo das Genie zugegen war als die Gaststätte abbrannte.“
Lynchs Lächeln erstirbt als er sich Mühe gibt den letzten Kommentar seiner Vertrauten zu ignorieren.
Der kleine Dämon lässt sich auf dem Tisch nieder, schlägt die Beine übereinander und macht eine nachdenkliche Miene.
„Seltsam, dass uns keines der anderen Gasthäuser aufnehmen wollte Meister.“
„Machst du dir schon wieder Gedanken Eve? Bei dem Brand ist fast ein Sechstel der Stadt in Mitleidenschaft gezogen worden. Kein Wunder, dass die noch intakten Gaststätten überlaufen werden.“
Der kleine weibliche Dämon legt den Kopf schief als er aus dem Fenster blickt.
„Mag sein Meister. Dennoch hab ich da so ein seltsames Gefühl. Überall wurden wir bereits an der Tür weggeschickt oder beim Anblick von dem großen angebratenen Klotzkopf schon zwei Querstraßen vorher verscheucht. Nur hier in diesem wunderschönen Gasthaus wurden wir mit offenen Armen empfangen und…“
Lynch fällt mit einem erneuten selbstgefällig wirkenden Lächeln seinem Vertrauten ins Wort „…Und wir bekommen für eine Woche gratis Kost und Logier weil wir so toll beim Löschen und Retten von Leuten geholfen haben.“
Der Dämon gibt ein leises Stöhnen von sich.
„Nichts gegen die Verdienste von dem Goliath, der Elandrin, dem Elfen oder euch Menschen, aber ihr ward total abgefackelt und habt gestunken wie nichts Gutes. Außerdem wurdet ihr vom Gastwirt direkt mit euren Namen angesprochen. Das Ganze wirkt doch sehr dubios, wenn nicht sogar abgekartert.“
„Katzen haben nichts damit zu tun Eve. Warum freust du dich nicht wie der Rest von uns und genießt nicht einfach mal, dass das Schicksal zur Ausnahme mal gut zu uns ist.“
Der kleine Dämon schlägt sich gegen seine Stirn und verschwindet mit einem Stöhnen und einem resignierten „Puff“ zurück in seine Nische zwischen den Dimensionen.

Lynch genießt das weiche und saubere Bett unter sich und die warme Luft, als auch die Erschöpfung des zurückliegenden Tages lässt ihn beinahe umgehend in einen tiefen Schlaf fallen. Ein Alb bringt ihm Träume von Schmerz und Tod. Die Vergangenheit holt ihn erneut ein. Bilder materialisieren sich in seinem Geist. Die Geschichte wie es damals auf der Festung Slither weiterging.

Gemeinsam waren sie unentdeckt im Innenhof angekommen. Die patroulierenden Wächter hatten bislang keine Notiz von ihnen genommen und die gigantische Bestie auf deren Rücken sie sich bewegten wirkte komplett leblos. Einzelne glühende Kugeln warfen ein schwaches Licht auf den Hof auf dem sich die Türme damals befanden. Kaum zu glauben wie unsagbar groß dieses Wesen war.

Nun galt es den zentralen Turm zu erklimmen, der in den Notizen des Spiones der veiled Aliance erwähnt wurde. Klettern. Eine reine Tortur. Lynch haste es damals wie heute. Nicht, das er je ungeschickt gewesen war, dennoch sollten vertikale Bewegungen zur Erdoberfläche seiner Ansicht nach Geckos und ähnlichen Tieren überlassen werden.
Vor seinen Augen erklommen Goar, Azlan und Lafeya in Windeseile die steile und komplett torlose Außenwand des Turms. Mit einem kurzen Stöhnen folgte Lynch damals den dreien. Die hervorstehenden Knochen und Winkel gaben hervorragende Kletterhilfen ab, dennoch war es eine Heidenarbeit.
Oben auf dem Turm angekommen wurde Lynch Zeuge eines so eben ausgebrochenen Kampfes. Seine drei Begleiter hatten auf der Turmspitze ein katzenähnliches Wesen aufgeschreckt. Einen sogenannten Tembo. Ein Monster, von denen man kleinen Kindern erzählt, dass es sie in der Nacht holen würde, wenn sie nicht artig wären. Ein mehr als nur harter Kampf.
Fallen mit Giftpfeilen und ebenfalls giftige handtellergroße Spinnen erhöhten das Kampfvergnügen auf dem mehrere Stockwerke hohen Turm und besiegelten beinahe das Schicksal von Azlan, der an diesem Ort die Packung seines damals jungen Lebens kassierte. Goar selber steckte jeden Schlag mit einem bestialischen Grinsen weg und teilte so massiv Hiebe mit seinem gigantischen Hammer aus, wie es früher wohl auch die Götter bei der Erschaffung der großen Staubebenen getan hatten, als sie die Gebirge ebneten. Lafeya entging Azlans schmerzhaftem Schicksal nur knapp und bekam den einen oder anderen Prankenhieb des Tembos zu spüren. Lynch hingegen überstand das gesamte Spektakel zwar auch nicht unverletzt, wurde aber durch ein gnädiges Schicksal dennoch nicht ernsthaft verletzt.

Nach dem der Tembo endlich niedergerungen war, arbeitete sich die Gruppe Stück für Stück den Turm herab. Die gesuchte Blutperle war irgendwo unter ihnen. Lynch konnte die pulsierende Kraft des Relikts schon beinahe spüren.
Eine Wendeltreppe führte tiefer in den Turm hinein und Raum für Raum kämpften sich die vier Abenteuerer tiefer. Vorbei an einer Horde Söldner die aus Belgeus und Sulranschamanen bestand und erlegte eine angemessene Menge an untoten Gestalten.
Überall Leichen von humanoiden Gestalten und der verwesende Hauch von Nekromantie.
Inmitten des allgegenwärtigen Todes und dem offensichtlichen Verfall von Pietät vor den Verstorbenen fand Lynch damals einen neuen Wegbegleiter, den er noch zu hassen lernen sollte. Murray. Ein verzauberter Foliant angefüllt mit Lebensweisheiten und einem eigenen Bewusstsein. Yarnard hatte anscheinend eine Seele in dieses Buch gebannt und entweder zu seiner Belustigung oder als Strafe der Seele, diese für eine spätere Konsultierung aufbewahrt. So wanderte Murray allerdings direkt in die Tasche von Lynch, der das Buch davon überzeugte, von Yarnard persönlich die Erlaubnis bekommen zu haben, diesen Folianten für eine unbestimmte Zeit auszuleihen.

Die Kämpfe zogen sich endlos hin und alle mit Ausnahme des unbezwingbar wirkenden Goar waren ermattet und bluteten aus zahllosen Wunden. Eine letzte Tür wurde aufgetreten und die dahinter befindlichen sechs Thri-Keen wurden von den vier einfallenden und extrem angefressenen Helden überwältigt. Endlich waren sie dort wo sie seien wollten. Auf einem Podest in der Mitte des Raums lag die Blutperle. Lynchs Blick wurde sofort von ihr fokussiert, so dass er keinen Blick auf die anderen Schätze in diesen Raum warf, die Yarnard hier wohl zu Forschungszwecken lagerte. Ganz sicher würde die Eladrin nicht auch diesen Schatz an sich nehmen. Dieses Juwel hatte Lynch erwählt. Er wollte… nein! er musste es in seine Obhut nehmen.
Nun galt es nur noch sicher und möglichst unbemerkt aus dem Turm zu kommen und die größtmögliche Entfernung zu Slither zurückzulegen, bevor Yarnard von dem Diebstahl etwas merkte.

Lynch dreht sich im Schlaf um und gibt ein zufriedenes Grunzen von sich. So bald würde er sicher nicht freiwillig aufwachen.
Unter der Zimmertür fällt ein schwacher Lichtschein hindurch. Ein Schatten zeichnet sich in dem Spalt ab. Ein Schatten von zwei Beinen.
Die Person im Flur löst ihr Ohr vom Türblatt, schlägt die Kapuze über den kahlgeschorenen Kopf, nimmt ihre Öllampe mit und wendet sich mit einem Lächeln den dunkel gekleideten Schemen vor den Zimmern von Lynchs Begleitern zu. Alles war dabei sich prächtig zu entwickeln.

In einer parallelen Dimension, die ausschließlich aus unzähligen Kissen, Spiegeln und mit Samt bezogenen Wänden zu bestehen scheint, sitzt eine bekannte Sukkubus auf ihrem Lieblingsplatz und starrt verärgert an die hohe Decke während sie an einem exotisch wirkenden Getränk nippt. Warum musste sie auch immer eine Schwäche für die geistig Minderbemittelten haben?

Comments

“und teilte so massiv Hiebe mit seinem gigantischen Hammer aus, wie es früher wohl auch die Götter bei der Erschaffung der großen Staubebenen getan hatten, als sie die Gebirge ebneten”

die Formulierung ist mal cool :D Schön wie du aus reinen Kämpfen doch noch eine Geschichte bauen konntest, man mag gespannt sein wies weitergeht (und welche stadt du denn in der zukunft abfackelst xD)

Perlen vor die Säue
Mikeman

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