Athas

Vom einen Schlachtfeld zum übernächsten Schlachtfeld, welches wir fast nicht mehr verlassen hätten

Wow, ich weiß gar nicht so recht, was gerade passiert ist… das erklärt mir weder mein inzwischen ausgeprägter Abenteuersinn noch die Lehrstunden meines Meisters Elidrion. Und nach dem, was ich gerade erlebt habe, kann ich nur hoffen, dass sein Geist, wo auch immer er ist, den Geist der Natur nicht verärgert hat.
Und wieder einmal frage ich mich: Wie ist es eigentlich so weit gekommen, dass auch ich die Bekanntschaft des Geistes der Natur machen musste?
Bestimmt liegt alles an Azlan! Als wir uns soweit gesammelt, Lynch den Kopf gewaschen, und uns damit abgefunden hatten, dass Ou und Ki sich nicht mit unserem Überlebensstil anfreunden konnten und lieber in der Wüste verdursteten, stellten wir fest, dass sich auch Azlan, ohne ein Wort, davon geschlichen hatten. Wir fanden ihn nicht wieder und ehrlich gesagt kann ich mir auch im Nachhinein gar nicht erklären, warum wir nicht nach ihm suchten. Immerhin findet er alle nicht-magischen Fallen sehr zuverlässig.
Wahrscheinlich war die Gier bei Lynch zu groß und bei mir das Bestreben, so schnell wie möglich meinen Wald zu retten. Kolateralschaden wird in Kauf genommen.
Wir folgten dem Gang bis wir in einen Raum mit zwei Abzweigungen kamen. Es sah aus wie ein Arbeitszimmer. Doch die Bücher, die Lynch fand, waren nicht hilfreich. Am entgegen gesetzen Ende jedoch war ein sehr mysteriöser Nebel. Schnell war uns klar: Dorthinter ist das, was wir suchen. Wie auch immer es aussehen mag.
Doch so schnell ging es nicht. Wir trafen auf die Wächter dieses unbeschreiblichen Naturguts – untote Wächter, verbittert, gelangweilt und auf ewig verdammt, den Samen zu bewachen. Es war mir sofort klar, dass nur ich mit diesen naturliebenden Kreaturen kommunizieren konnte. Und so war es ausnahmsweise nicht Lynch, der das Wort führte, sondern ich. Mit unglaublich viel Feingefühl und großer Authentizität überzeugte ich die Wesen, dass auch wir für die Natur nur das Beste wollten. Lynch versuchte zwar, meine Bemühungen zunichte zu machen und quatschte ein paar Mal in meine Argumentation hinein, aber letztendlich gelang es uns, des Kampf zu entgehen und so unsere Kräfte zu schonen.
Wir folgten dem einen Weg und gelangten in eine Höhle voller Statuen. Unter der größten Statue, einem komischen Vogelwesen, lagen viele Silbermünzen, ein Dolch, von dem wir zunächst nur einen Griff sahen, und ein Steinquader, der auf jeden Fall einer der Schlüssel für die Nebeltür sein musste.
Wieder ist es mir, meinem Mut und meinen außergewöhnlichen Fähigkeiten zu verdanken, dass wir sowohl einen Großteil der Silbermünzen, als auch den Dolch, als auch den Schlüssel ohne einen großen Kampf sichern konnten. Als kleine Spinne schlich ich mich zur Statue und nachdem ich die Beute in meinen Beutel geschöffelt hatte, teleportierte ich mich wieder raus und scheute dabei keine Angriffe der ansonsten starren Statuen.
Im anderen Raum befand sich ebenfalls eine Statue. Sie sah eher aus wie ein Engel. Doch das war nicht alles, was sich in dem Raum befand: der Geist des sonst so aufweckten Lynch wurde vernebelt von einer Banshee-Gestalt, die ihm Glauben machte, sie sei eine alte Verflossene. Während Rikkard und ich uns also mit den Untoten rumschlugen, war Lynch total von Milly eingenommen und kämpfte nicht mit, sondern gegen uns. Ich hätte erwartet, dass es mehr bedürfe, um Lynchs Bewusstsein zu verändern. Was ich eigentlich schon längst wusste, wurde hier noch einmal deutlicher: es ist besser, mit Lynch zusammen für eine Sache zu kämpfen, als gegen ihn. Denn auch wenn er sich oft als Feigling aus den Kämpfen heraushält, wenn er kämpft, dann ist er stark. Das wird mich jedoch nicht davon abhalten, mich gegen ihn zu wenden, sollte es nötig sein, um meinen Wald zu retten.
Letztendlich gelang es uns doch auch, diesen Kampf zu bestehen und den zweiten Teil des Schlüssels für die Nebeltür zu bergen. Ich kann meine Ungeduld kaum bezwingen, doch die Vernunft rät mir, dass wir uns erst ausruhen müssen, bevor wir die Tür endlich öffnen und durchschreiten.
Als wir endlich soweit sind, hat sich jede Sekunde Warten gelohnt. Wir werden belohnt mit dem Anblick der vollkommensten Natur, die ich mir je vorstellen konnte. Saftige Blätter, grüne Ranken, eine Luftfeuchtigkeit, die alles noch viel lebendiger scheinen lässt. Ich fühle das Leben regelrecht pulsieren, es strömt, es fließt in jedem grünen Grashalm, in jeder Ader jedes Blattes, das sich in dem wunderbaren Biotop hinter der Tür befindet. Mein natürlicher Instinkt lässt mich auch gleich die Quelle dieses Reichtums ausfindig machen. Ich sehe den unbeschreiblichen Samen eines Lebensbaumes. Ich kann mich nicht mehr halten und will mich darauf stürzen.
Doch wir werden aufgehalten – von Avor, der seinerzeit den Samen an seine jetzigen Platz brachte. Doch Avor ist nicht allein, er hat Unterstützung von ich weiß nicht wie vielen untoten Lakeinen. Schnell wird klar, dass dies der heftigste unserer Kämpfe wird. Wir sind nur zu dritt und haben mindestens eine doppelte Übermacht gegen uns. Doch unser Wille zu überleben wird von dem grünen Anblick noch einmal bestärkt. Wir kämpfen hart und erbarmungslos, doch letztendlich müssen wir einsehen, dass wir keine Chance haben. Aufgeben gibt es nicht. Ich kämpfe und kämpfe, ich falle, werde ohnmächtig, werde wieder wach, kämpfe weiter und taumle erneut. Diesmal ist keiner da, um mich zu retten und ich drifte ab, mache mich auf den Weg in die ewige jenseitige Natur, hoffe, dass es dort so grün ist, wie der Ort, an dem ich sterbe, denke an meine Eltern und frage mich, ob ich sie wohl bald wieder sehe, sehe vor meinem geistigen Auge nochmal den Halbmond-Wald und bedaure, dass auch ich ihn nicht retten konnte, bedaure, dass es jetzt wohl keine Rettung mehr gibt, fühle einen Augenblick eine unglaubliche Schwere und dann plötzlich bin ich wieder ganz leicht. Ich schwebe, entferne mich von den weltlichen Schmerzen und Leiden und will gerade das ewige Grün erreichen….
Da werde ich zurückgehalten! Ich begegne dem Geist der Natur. Und er macht mir ein Angebot: Ich darf zurück in die Welt und versuchen, meinen Wald zu retten. Ich bekomme eine zweite Chance. Und die Aufgabe, das zu beenden, wozu ich losgezogen bin. Erst sträube ich mich. Ich hatte schon dieses leichte Gefühl gespürt. Ich will es wieder spüren. Ich erwäge ernsthaft, weiter zu ziehen und mich nicht mehr mit weltlichen Problemen herumzuschlagen. Doch die Liebe zu meinem Volk ist zu groß. Ich nehme das Angebot des Geistes der Natur an. Doch ich frage ich, ob es einen Haken an der Sache gibt. Mehrmals. Eindringlich. Nach meinen Erfahrungen in Athas gibt es nichts umsonst. Doch es scheint anders zu sein in dieser Zwischenwelt. Auch wenn mir der Geist nicht sehr sympatisch ist, will er anscheinend keine Gegenleistung. Also beschließe ich, zurück zu kehren. Und ich beschließe, dass ich genauso schnell die lebendige Welt wieder verlassen werde, wenn sich heraus stellt, dass ich einen faulen Kompromiss eingegangen bin….
Und ich bin zurück.
Wir bekämpfen Avon und sind endlich erfolgreich. Auch Rikkard geht zu Boden. Aber wir siegen und so denke ich mir, Lynch, der sich neben ihm niederkniet, wird ihm schon helfen.
Ich gehe in die Knie und horche in mich hinein, horche in meine Umgebung, fühle die Energie des Baum des Lebens. Ich atme tief ein und, spüre das Leben nicht nur, ich rieche es auch. Ich atme noch einmal tief durch. Langsam beruhigt sich mein Puls, ich komme zur Ruhe, ich fühle mich, als würde ich aus einem Rausch erwachen. Ich fühle…. Schmerz, Verwirrung, Erschöpfung, Siegestrunkenheit, Stolz, den Drang weiter zu ziehen. Ich fühle mich… wie immer…. fast….. nein, ich fühle auch etwas anderes…. ich fühle…… mich anders.

Comments

es ist schon wotzig, über eine Wiederauferstehung zu schreiben, wenn man nicht weiß, ob und was mit einem passiert ist… bzw. wohl nur was, denn irgendetwas wird ja bestimmt anders sein… also, ich bin gespannt

 
Stina

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