Athas

Besuch in Slither
Besuch in Slither

„Was riecht den hier so lecker?“ mit diesem Gedanken im Kopf wachte Goar aus seinem kleinen Nickerchen auf. Der Anblick der sich ihm bot sorgte dann aber sehr schnell dafür das auch der letzte Rest Schlaf ungewohnt schnell verschwand. Sein Zimmer stand lichterloh in Flammen. Freki und Greki hatten schon seid geraumer Zeit ohne Erfolg versucht ihr riesiges Herrchen zuwecken.
Erst der Geruch der aus Lynch brennenden Zimmer angewabert kam schaffte es den Goliath aus dem Reich der Träume zuholen.
Verdammt hat man in dieser Stadt niemals seine Ruhe?!!
Hastig packt Goar seine Sachen zusammen um sich und seine Schuppenwölfe aus der Flammenmeer zuretten.
Ein paar eingerissene Mauern und einen beherzten Sprung in die Tiefe später hatte Gaor auch schon den Vorplatz vor dem brennenden Gasthaus erreicht und schaut sich an wie der Brand, unter völliger nicht Beachtung der Löschversuche der Städter auf die umliegenden Häuser übergreift.
Grade als sich Goar schon fragte wo seine Freunde geblieben sind und ob er noch mal reingehen und sie suchen sollte brach eine große grüne Raubkatze mit einem Rucksack in Maul durch die Flammen. Die Raubkatze brachte die sich gerade bildende Löschkette gehörig durcheinander. Zum Glück war Lafeya geistesgegenwärtig genug sich erst in einer ruhigen Gasse zurück zu verwandeln. Azlan sprang kurze Zeit später von einem der Dächer und spazierte zu den anderen die während der Ablenkung durch Lafya`s Auftritt sich bei Goar eingefunden hatten.
Während sich die Gruppe das Schauspiel anschaute und rätselte wieso ihre Unterkunft spontan Feuer gefangen hatte konnte man sie einige Gesprächsfetzen aufschnappen.
„Das musste ja irgendwann passieren!“
„Hat jemand was gesehen?“
„Aus dem Zimmer dieses Schaustellers kam schon die ganze so ein Gestank. Der hat bestimmt Unsinn getrieben.“
„Nee der ist immer so nett bei seinen Vorführungen zu den Kleinen. Der hat bestimmt nichts damit zutun.“
„Aber irgendwie war der Geruch schon sehr merkwürdig. irgendwie wie alte Wäsche, Erbrochenes und verrottende Ratte.“
Zum Glück sorgte das ausbreitende Feuer dafür das die Leute sich immer mehr mit Löschen anstatt mit Quatschen beschäftigten.

Gerade als Goar den Anderen vorschlagen möchte abzuhauen und eine andere Bleibe zusuchen, sieht Lafeya 2 kleine Kinder hinter dem Fenster eines brennenden Hauses.
Dieser Anblick und die darauffolgende schnelle Diskussion samt Androhung von Gewalt von Lafeyas seite sorgen dafür das die Freunde die nächsten stunden mit der Rettung diverser Personen und notdürftigen Löschversuchen beschäftigt sind. Alle bis auf Lynch, der erst zum ende der ganzen Aktion seelenruhig die Strasse runterkommt.
Während des ganzen erinnert sich Goar an ihren ersten Einbruch in Slither. Vielleicht regte der Schein des Grossbrandes seine Erinnerung an.

Wir erklimmten den mittleren Turm der gigantischen Festung. Zum Glück hatten die meisten Wachen frei damit ihr Meister sich in Ruhe auf die Erforschung der Blutperle vorbereiten konnte.
Lynch hatte es fast hinbekommen während der kleinen Kletterpartie mehrfach abzustürzen. Klettern kann er wirklich nicht. Diese Städter sind irgendwie merkwürdig. Reden können sie aber klettern, jagen oder die Wüstenhitze ertragen ist nicht ihre Stärke. Ich lieferte mir mit Azlan einen Wettkampf wer als erstes auf der Plattform ankommt, diese kleine Wiesel schaffte es um Haaresbreite vor mir anzukommen. Liess mir aber den Vortritt um über die Brüstung zuspringen. Auf der anderen Seite erwartete mich ein schrecklicher Tempo und eine böse Überraschung. Der Tempo ein Wesen mit dem man kleinen Kindern Angst macht erwies sich als zähe Jagdtrophäe. Aber mit Hilfe der Geister und sehr viel Gewalt konnte ich das Vieh fast durch den Boden der Plattform schlagen. Die andere böse Überraschung waren vier Fallen die sofort anfingen kleine Pfeile auf uns zuschiessen sobald ich die Plattform betrat. Nach dem Kampf nam ich erst war das meine Kameraden den Kampf nicht sogut überstanden hatten wie ich. Besonders Azlan hatte tiefe Kratzspuren von dem Tempo erhalten. Das Vieh hatte ihn wohl mit seinen Lieblingskratzbaum verwechselt.
Der Kampf hatte wohl die anderen Bewacher des Turms geweckt weil danach mussten wir jedes Stockwerk von einer Horde Belgeussöldner, Sulranschamanen und allerlei Untoten befreien. Naja nachdem Sieg über den Tempo waren wir alle aber so beflügelt das wir die Gegner einfach in ihre Bestandteile zerlegten. Bevor sie wirklich gefährlich werden konnten.
Am Fusse des Turmes konnten wir auch endlich die Blutperle die von mehreren Tri-keen bewacht wurde erbeuten. Ausserdem nahmen wir bei der Gelegenheit noch mehrere Schätze mit die der Schädel freundlicher Weise für uns da aufbewahrte.

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Perlen vor die Säue
Die zwölfte Aufführung

„Aaah…Wie schön doch so ein aufgeräumtes Zimmer sein kann.“ Lynch steht in seinem neuen Zimmer, nachdem seine gesamte Reisegruppe wegen eines nur schwer zu löschenden und spontan ausgebrochenen Stadtbrandes in ein weniger ascheartiges Gasthaus umziehen musste. „Kein Staub, keine Essensreste auf dem Tisch, keine Reste von Kreidezeichen am Boden und vor allem, keine verwesenden Rattenkadaver vor dem Bett.“
Der Magier lächelt und dreht sich mit ausgestreckten Armen um seine eigene Achse, bevor er sich rücklings auf sein Bett fallen lässt.
Es vergehen nur wenige Augenblicke der Ruhe, bevor erneut die vor Ironie triefende und laszive Stimme von Eve erklingt.
„Ich gebe dem Zimmer maximal drei Tage Meister. Vielleicht solltest du diesmal ein wenig auf Hygiene oder zumindest Seuchenschutzbestimmungen achten.“
„Ach was Eve… das Genie beherrscht das Chaos.“ Lynch lächelt in sich hinein und schließt genüsslich die Augen.
„Nun Meister, da das letzte Zimmer nun wirklich alles andere als beherrscht gewirkt hat, stellt sich die Frage wo das Genie zugegen war als die Gaststätte abbrannte.“
Lynchs Lächeln erstirbt als er sich Mühe gibt den letzten Kommentar seiner Vertrauten zu ignorieren.
Der kleine Dämon lässt sich auf dem Tisch nieder, schlägt die Beine übereinander und macht eine nachdenkliche Miene.
„Seltsam, dass uns keines der anderen Gasthäuser aufnehmen wollte Meister.“
„Machst du dir schon wieder Gedanken Eve? Bei dem Brand ist fast ein Sechstel der Stadt in Mitleidenschaft gezogen worden. Kein Wunder, dass die noch intakten Gaststätten überlaufen werden.“
Der kleine weibliche Dämon legt den Kopf schief als er aus dem Fenster blickt.
„Mag sein Meister. Dennoch hab ich da so ein seltsames Gefühl. Überall wurden wir bereits an der Tür weggeschickt oder beim Anblick von dem großen angebratenen Klotzkopf schon zwei Querstraßen vorher verscheucht. Nur hier in diesem wunderschönen Gasthaus wurden wir mit offenen Armen empfangen und…“
Lynch fällt mit einem erneuten selbstgefällig wirkenden Lächeln seinem Vertrauten ins Wort „…Und wir bekommen für eine Woche gratis Kost und Logier weil wir so toll beim Löschen und Retten von Leuten geholfen haben.“
Der Dämon gibt ein leises Stöhnen von sich.
„Nichts gegen die Verdienste von dem Goliath, der Elandrin, dem Elfen oder euch Menschen, aber ihr ward total abgefackelt und habt gestunken wie nichts Gutes. Außerdem wurdet ihr vom Gastwirt direkt mit euren Namen angesprochen. Das Ganze wirkt doch sehr dubios, wenn nicht sogar abgekartert.“
„Katzen haben nichts damit zu tun Eve. Warum freust du dich nicht wie der Rest von uns und genießt nicht einfach mal, dass das Schicksal zur Ausnahme mal gut zu uns ist.“
Der kleine Dämon schlägt sich gegen seine Stirn und verschwindet mit einem Stöhnen und einem resignierten „Puff“ zurück in seine Nische zwischen den Dimensionen.

Lynch genießt das weiche und saubere Bett unter sich und die warme Luft, als auch die Erschöpfung des zurückliegenden Tages lässt ihn beinahe umgehend in einen tiefen Schlaf fallen. Ein Alb bringt ihm Träume von Schmerz und Tod. Die Vergangenheit holt ihn erneut ein. Bilder materialisieren sich in seinem Geist. Die Geschichte wie es damals auf der Festung Slither weiterging.

Gemeinsam waren sie unentdeckt im Innenhof angekommen. Die patroulierenden Wächter hatten bislang keine Notiz von ihnen genommen und die gigantische Bestie auf deren Rücken sie sich bewegten wirkte komplett leblos. Einzelne glühende Kugeln warfen ein schwaches Licht auf den Hof auf dem sich die Türme damals befanden. Kaum zu glauben wie unsagbar groß dieses Wesen war.

Nun galt es den zentralen Turm zu erklimmen, der in den Notizen des Spiones der veiled Aliance erwähnt wurde. Klettern. Eine reine Tortur. Lynch haste es damals wie heute. Nicht, das er je ungeschickt gewesen war, dennoch sollten vertikale Bewegungen zur Erdoberfläche seiner Ansicht nach Geckos und ähnlichen Tieren überlassen werden.
Vor seinen Augen erklommen Goar, Azlan und Lafeya in Windeseile die steile und komplett torlose Außenwand des Turms. Mit einem kurzen Stöhnen folgte Lynch damals den dreien. Die hervorstehenden Knochen und Winkel gaben hervorragende Kletterhilfen ab, dennoch war es eine Heidenarbeit.
Oben auf dem Turm angekommen wurde Lynch Zeuge eines so eben ausgebrochenen Kampfes. Seine drei Begleiter hatten auf der Turmspitze ein katzenähnliches Wesen aufgeschreckt. Einen sogenannten Tembo. Ein Monster, von denen man kleinen Kindern erzählt, dass es sie in der Nacht holen würde, wenn sie nicht artig wären. Ein mehr als nur harter Kampf.
Fallen mit Giftpfeilen und ebenfalls giftige handtellergroße Spinnen erhöhten das Kampfvergnügen auf dem mehrere Stockwerke hohen Turm und besiegelten beinahe das Schicksal von Azlan, der an diesem Ort die Packung seines damals jungen Lebens kassierte. Goar selber steckte jeden Schlag mit einem bestialischen Grinsen weg und teilte so massiv Hiebe mit seinem gigantischen Hammer aus, wie es früher wohl auch die Götter bei der Erschaffung der großen Staubebenen getan hatten, als sie die Gebirge ebneten. Lafeya entging Azlans schmerzhaftem Schicksal nur knapp und bekam den einen oder anderen Prankenhieb des Tembos zu spüren. Lynch hingegen überstand das gesamte Spektakel zwar auch nicht unverletzt, wurde aber durch ein gnädiges Schicksal dennoch nicht ernsthaft verletzt.

Nach dem der Tembo endlich niedergerungen war, arbeitete sich die Gruppe Stück für Stück den Turm herab. Die gesuchte Blutperle war irgendwo unter ihnen. Lynch konnte die pulsierende Kraft des Relikts schon beinahe spüren.
Eine Wendeltreppe führte tiefer in den Turm hinein und Raum für Raum kämpften sich die vier Abenteuerer tiefer. Vorbei an einer Horde Söldner die aus Belgeus und Sulranschamanen bestand und erlegte eine angemessene Menge an untoten Gestalten.
Überall Leichen von humanoiden Gestalten und der verwesende Hauch von Nekromantie.
Inmitten des allgegenwärtigen Todes und dem offensichtlichen Verfall von Pietät vor den Verstorbenen fand Lynch damals einen neuen Wegbegleiter, den er noch zu hassen lernen sollte. Murray. Ein verzauberter Foliant angefüllt mit Lebensweisheiten und einem eigenen Bewusstsein. Yarnard hatte anscheinend eine Seele in dieses Buch gebannt und entweder zu seiner Belustigung oder als Strafe der Seele, diese für eine spätere Konsultierung aufbewahrt. So wanderte Murray allerdings direkt in die Tasche von Lynch, der das Buch davon überzeugte, von Yarnard persönlich die Erlaubnis bekommen zu haben, diesen Folianten für eine unbestimmte Zeit auszuleihen.

Die Kämpfe zogen sich endlos hin und alle mit Ausnahme des unbezwingbar wirkenden Goar waren ermattet und bluteten aus zahllosen Wunden. Eine letzte Tür wurde aufgetreten und die dahinter befindlichen sechs Thri-Keen wurden von den vier einfallenden und extrem angefressenen Helden überwältigt. Endlich waren sie dort wo sie seien wollten. Auf einem Podest in der Mitte des Raums lag die Blutperle. Lynchs Blick wurde sofort von ihr fokussiert, so dass er keinen Blick auf die anderen Schätze in diesen Raum warf, die Yarnard hier wohl zu Forschungszwecken lagerte. Ganz sicher würde die Eladrin nicht auch diesen Schatz an sich nehmen. Dieses Juwel hatte Lynch erwählt. Er wollte… nein! er musste es in seine Obhut nehmen.
Nun galt es nur noch sicher und möglichst unbemerkt aus dem Turm zu kommen und die größtmögliche Entfernung zu Slither zurückzulegen, bevor Yarnard von dem Diebstahl etwas merkte.

Lynch dreht sich im Schlaf um und gibt ein zufriedenes Grunzen von sich. So bald würde er sicher nicht freiwillig aufwachen.
Unter der Zimmertür fällt ein schwacher Lichtschein hindurch. Ein Schatten zeichnet sich in dem Spalt ab. Ein Schatten von zwei Beinen.
Die Person im Flur löst ihr Ohr vom Türblatt, schlägt die Kapuze über den kahlgeschorenen Kopf, nimmt ihre Öllampe mit und wendet sich mit einem Lächeln den dunkel gekleideten Schemen vor den Zimmern von Lynchs Begleitern zu. Alles war dabei sich prächtig zu entwickeln.

In einer parallelen Dimension, die ausschließlich aus unzähligen Kissen, Spiegeln und mit Samt bezogenen Wänden zu bestehen scheint, sitzt eine bekannte Sukkubus auf ihrem Lieblingsplatz und starrt verärgert an die hohe Decke während sie an einem exotisch wirkenden Getränk nippt. Warum musste sie auch immer eine Schwäche für die geistig Minderbemittelten haben?

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Gedanken vor den Besuch von Slither

Mitten in der Wüste irgendwo zwischen Silver Spring Oase und Nibenay im Schatten einer Düne sitzt Goar und überprüft noch einmal seine Ausrüstung. Während er die Riemen seiner Maul kontrolliert geht ihm so einiges durch den Kopf.

„Ohmann was mache ich hier überhaupt? Wir sind mitten in der Wüste und warten darauf das es verdammt noch mal Nacht wird. Um dann in eine der merkwürdigsten Ausgeburten der verdrehten Magie hier auf Athas einzubrechen.
Was habe ich nur falsch gemacht ihr Geister?
Was soll ich nur von dieser zu groß geratenen Verhöhnung der Natur halten?
Ein gigantisches Skelett welches auf seinen Rücken eine Festung trägt.
Wie kommt man nur auf so eine schwachsinnige Idee? Und dann dem ganzen Gebilde aus unzähligen Knochen die Form eines gigantischen Skorpions geben ? Was hat dieser Defiler nur geraucht?
Ich habe keine Ahnung wie viele Lebewesen und Geistern für diese Abnormalität ihr Leben geben mussten. Anscheinend verheert aber ihre Existenz nicht weiter die Natur.
Reicht es nur den Erschaffer zu vernichten oder muss auch dieses Gebilde vom Angesicht der Welt getilgt werden?
Momentan reicht meine Kraft zwar eh nicht aus um auch nur eines vom Beiden zu bewirken.
Aber diese Frage lässt mir keine Ruhe.
Eines ist mir aber absolut klar egal was diese Blutperle die wir stehlen wollen ist oder was auch immer sie bewirken kann.
Yarnath der Schädel darf sie nicht behalten. Jemand der so ein Gebilde erschafft, ist kein Freund der Natur.
Und warum greifen wir überhaupt diese Festung an? Lafeya meinte sie hätte eine Vision von einem Ort mit mehreren Lebensbäumen und einem Ritual gehabt. Während des Rituals wäre ein riesiger runder Edelstein vernichtet worden. Dieser Stein soll nach ihrer Meinung die Blutperle gewesen sein. Das Ritual und der Ort hätten irgendwas mit der Rettung ihres Waldes zutun gehabt.
Vielleicht hat sie von den Geistern der Natur eine Eingebung bekommen.
Oder vielleicht war das Abenteuer, welches sie während meiner Abwesenheit überstanden haben, zuviel für die Elandrin.
Ich weiß einfach nicht was ich davon halten soll.
Zuerst hat Lafeya einen Traum von der Blutperle und dann finden wir mitten in der Wüste die Leiche eines Spions der Veiled Allianz.
Nach den Berichten von Laefeya und Lynch handelt es sich bei Allianz um eine Gruppe von schwachen, idealistischen, besserwisserischen Magiern, die sich gegen die Hexerkönige auflehnen und schwer aufzufinden sind. Das einzig Gute an dieser Gruppe soll es sein das sie auf die Natur achten und die Lebensenergie von Athas beschützen. Sie benutzen nicht wie andere Magier einfach rücksichtslos die Kraft der Natur für ihre Zaubersprüche.
Lafeya meint sie wüsste wo man Angehörige dieser Gruppe in Nibenay finden könnte.
Ich habe noch nie von diesen Leuten gehört. Ok ich kenne so einige Dinge nicht die diese Städter als so wichtig ansehen.
Wenn die nur Verstehen würde wie unwichtig einige ihrer Regeln und Sitten sind.
Schade dass meine Begleiter unbedingt über Nibenay zum Staubmeer wollen. Ich hätte gerne einmal in Gulg nach Hinweisen für die Rettung des Waldes gesucht. Wieso nur wollen die unbedingt nach Nibenay?
Im grossen und ganzen ist es mir Recht das wir möglichst wenige Städte aufsuchen. Ich hasse diese stinkenden Ansammlungen von Menschen. Aber Gulg soll laut den Händlern in Silver Springs eine Waldstadt sein. Die Bewohner sollen sogar den Wald verehren und mit den Geistern sprechen. Irgendwie hört sich das für mich besser an als Nibenay, verkommene angebliche Blüte der Zivilisation.

Das Treffen mit meinen Kameraden war auch irgendwie anders als ich erwartet habe. Nach der Vision hatte ich gedacht daß sie in Schwierigkeiten stecken, stattdessen kamen sie sehr entspannt aus der Schlucht und machten dumme Witze. Ich hatte das Gefühl das Lafeya irgendwie zufrieden darüber war das ich in der Zwischenzeit einige neuen Wunden erhalten hatte. Wieso nur glaube ich das sie das nicht wegen den Geschichten die solche Narben erzählen gut fand sondern nur froh war das ich verletzt wurde?

Kurz nachdem wir den Spion auf unseren Weg durch die Wüste entdeckt hatten mussten wir gegen einen Gaj und seine Sklaven antreten. Diese Käferdinger hasse ich wirklich. Jedesmal nach einem Kampf mit ihnen kann ich mich nicht an den ganzen Ablauf erinnern, habe tierische Kopfschmerzen und einer meiner Kameraden redet wenigsten eine Stunde nicht mehr mit mir. Die Viecher kämpfen irgendwie nicht fair.

Gerade als Goar an dieser Stelle in seinen Gedanken angekommen war merkt er das die Sonne untergeht.
„Dann wollen wir mal sehen wie gastfreundlich Yarnath ist“ mit diesen Worten schultert Goar seine Sachen um mit seinen Freunden in Slither einzubrechen.

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Träume sind Schäume
Die elfte Aufführung

Die Stadt erwacht langsam und die dubiosen Gestalten die während den letzten Stunden die Gassen dominierten ziehen sich langsam zurück in ihre schattigen Unterschlüpfe. Nur um dort auf die, mit Sicherheit zurückkehrende, Nacht abzuwarten. Die ersten Strahlen des sengenden Himmelskörpers liebkosen die oberen Zinnen der Türme und wandern, einem zähen Strom gleich, langsam in die tiefer liegenden Straßenschluchten.
Die hartarbeitenden Sklaven und ihre gutverdienenden Arbeitgeber gehen ihren legaleren Geschäften nach und auch die unbescholtensten Bürger wagen sich nun im hellen Licht heraus aus ihren Kammern.
In einer inzwischen mehrmals gesehenen und bekannten Kammer wirft sich allerdings noch immer eine Gestalt in den Laken herum und kämpft mit den Alben der Nacht.

„… Geryon … Baum des Lebens … Hirseküchlein… Slyther… hmmm … sicher darf deine Schwester auch… … …“
Lynch wälzt sich unruhig in den Kissen umher und gibt nach und nach immer weniger artikulierbare Geräusche von sich. Ein kurzer Blick in das Zimmer welches er seit nun mehr als zwei Wochen bewohnt, zeigt eine gigantische Unordnung. Kleidung, Waffen, Ritualzubehör, Lebensmittel und Müll sind wild im Zimmer verteilt und die Luft wirkt sehr abgestanden. Zwischen den großen Haufen Unrat huschen einzelne Schatten umher.
Der Zauberer wirbelt, noch immer im Schlaf, um seine eigene Achse und verstrickt sich in einer letzten hastigen Bewegung vollends in seiner dünnen Bettdecke. Ein ihm auf den Lippen liegender Ausruf verändert sich plötzlich, als er so gefesselt aus dem Bett stürzt und hart etwa 50 Zentimeter tiefer aufschlägt.
„Milly!… Uargh!“
Mehrere Augenblicke rührt sich nichts im Zimmer. Dann erklingt ein leises Kichern, dass sich immer mehr zu einem prustenden Lachen entwickelt. Lynch liegt auf dem Boden neben seiner Schlafstelle und stöhnt leise.
„Ich würde sagen, dass es auch allmählich Zeit wurde Meister.“ Ein erneutes Kichern. „Der Feuerball namens Sonne ist seit gut einer halben Stunde schon über der Stadt am kreisen und beginnt das Leben aus den Leuten zu brennen.“ Eve, der kleine an Lynch gebundene Dämon, materialisiert sich auf dem nun freien Kopfkissen und gibt sich nur begrenzt Mühe ihr Amüsement über den kurzen Sturzflug ihres Meisters zu verbergen.
„Eve?“ Lynchs Stimme klingt gepresst und mühsam.
„Ja Meister?“
„Ich hasse dich.“ Langsam, sehr langsam erhebt sich Lynch vom unaufgeräumten Fußboden und nimmt nur peripher wahr, dass das Lachen seiner kleinen halbnackten Begleiterin mit seinem Erheben massiv zunimmt. „Ich habe einen Mist zusammengeträumt Eve, das glaubst du nicht.“
„Wieder die Sache mit dem Lebensbaumsamen, dem Dämon Geryon und deiner Nahetoderfahrung?“ Eve verbirgt ihren Mund mit ihren Händen und wird beim Anblick ihres Meisters vor Lachen förmlich in das Kissen gepresst.
„Manchmal vergesse ich, dass du meine Gedanken mit mir teilst. Aber was hast du kleine geflügelte… hast du mich noch nie mit einem Betttuch bekleidet gesehen? Du kannst manchmal so kindisch…“ Lynch unterbricht die Belehrung des Dämons als er an sich heruntersieht und einen Laut von sich gibt, der Überraschung und Ekel zugleich ausdrückt. „Oh mein Gott was ist das? Ieh!“
Der kleine Sukkubus ringt verzweifelt um Atem als er nun unter Tränen versucht einen erneuten Lachanfall zu bekämpfen und räuspert sich verzweifelt. „Du *hust*… du *kicher*… Meister ihr seid auf eine Ratte gefallen“ Eve beginnt erneut unkontrolliert zu lachen, als Lynch wie von Sinnen durch das Zimmer springt um mit von Ekel geprägten hastigen Bewegungen den stinkenden Schleim von seiner Brust zu wischen.
„Quatsch! Ratten sind nicht so schleimig und weich Eve.“ Der nackte und schaudernde Mann nutzt das Bettlaken um sich von den größeren klebrigen Brocken in seinem Brusthaar zu befreien.
„Es kommt darauf an, wie lange sie schon tot sind Meister.“ Das kleine ätherische Wesen erbebt erneut in einem Lachanfall, als ihr Meister in purem Ekel einen etwa zwanzig Zentimeter langen Rattenschwanz von seinem Brustkorb zieht und sich spontan in den glücklicherweise neben ihm stehenden Nachttopf übergibt.
Mehrere würgende Augenblicke später erhebt sich der Meister des Arkanen wieder und wirft einen glasigen Blick in den Raum. „Vielleicht sollten wir aufräumen Eve?“
Die Dämonin ringt nach Atem und wirft ebenfalls einen kurzen Blick in die Runde. „Vielleicht sollten wir die ganze Bude einfach niederbrennen und ein anderes Gasthaus beziehen Meister?“

Es vergeht einige Zeit, bis Lynch sich sauber genug fühlt um endlich seine Kleidung anzulegen. Er blickt ein letztes Mal in den Raum zurück. Nach einem kurzen Schaudern schlägt er schnell die Tür zu und entfernt sich hastig von dem von ihm gemieteten Zimmer. Heute würde er sicher nicht nochmal in diesem Raum übernachten.
Wie dem auch sei. Dies sollte ein Problem für einen späteren Zeitpunkt werden. Nun galt es schnellstmöglich auf den Markt zu kommen. Es war nur noch eine Frage von Tagen, bevor sein großer Plan in die Tat umgesetzt werden konnte und er musste die Geschichte noch weitererzählen.
Goar, Azlan, Lafeya, und all die anderen waren schon längst aus dem Gasthaus aufgebrochen um ihren eigenen Interessen zu frönen und würden erst heute Abend bei Sonnenuntergang wie vereinbart zurückkehren. Nur er, der noch immer irgendwie nach Ratte riechende Meister des Mystischen, hatte seinen Einsatz verpennt und musste sich nun sputen.
Wie war es damals noch gleich gewesen und was wollte er davon wirklich auf dem Markt berichten?
Während Lynch mit seinem prall gefüllten Rucksack zu seiner angestammten Kiste marschiert geht er nochmal die damaligen Ereignisse durch…

Noch immer befanden sie sich im Tempel des als Gott verehrten Dämons Geryon und bewunderten die prächtigen Formen der Natur, die mit Hilfe des Baums des Lebens in der dunklen Höhle gewachsen waren. Der nun tote untote Wächter lag zwischen Lafeya und Lynch… und Rikard der Schlächter hatte den chirurgischen Eingriff von Lynch nicht überlebt.
Nun galt es die Säcke hervor zu holen und alles einzupacken, was nicht niet- und nagelfest war. Natürlich tauchte zu dieser Gelegenheit auch der verloren geglaubte Azlan aus einem Geheimgang, der in die Wand eingelassen war, wieder auf. Während des flammenden Kampfes in der Krypta einen Tag zuvor, war er allem Anschein nach in eine Grube geschleudert worden und erst nach einer längeren Ohnmacht wieder zu sich gekommen um sich durch die Dunkelheit den Weg zurück zu der Gruppe zu suchen.
Nun waren sie also wenigstens wieder zu dritt.
Der Baum des Lebens war nach Lafeyas Einschätzung bereits in den letzten Zügen und hatte seine finale Kraft in einem einzelnen Samen konzentriert, den Azlan für die Druidin barg. Lynchs Vorschläge für die weitere Verwendung des Samens wurden leider allesamt von Lafeya abgeblockt, die den Samen wie ein Neugeborenes zu hüten begann und nicht einmal den hilfsbereiten Azlan einen weiteren Blick auf ihn werfen lies.
Nun galt es für die Eladrin Wasser des Lebens zu finden um den Baum wachsen zu lassen.

Wasser des Lebens… Lynch grinst kurz, als er durch die Straßen schlendert.
Die noch unerfahrene Druidin wollte mit dem Baum unbedingt ihren Wald retten, doch wusste sie bislang nicht genau wie sie dies anstellen sollte. Sie folgte einer Spur aus Brotkrumen, die von einem Unbekannten anscheinend ausgelegt wurde. Hinweis für Hinweis folgte sie Mythen in der Hoffnung, etwas Positives entstehen zu lassen. Alleine um das Ende dieser Bemühungen zu sehen, musste Lynch ihr weiter folgen… von den zahlreichen Versprechen und Schwüren mal ganz abgesehen.

Auf jeden Fall verging und verwelkte der Baum des Lebens zusehends, nachdem Azlan den faustgroßen Samen gepflückt und Lafeya übergeben hatte. Brennholz für das nächste Nachtlager zu finden gestaltete sich somit als sehr leicht. Azlan wurde auf den neusten Stand gebracht und nach einem ausgiebigen Nickerchen galt es nun zurück nach Silversprings zu reisen und Goar sowie Dalet einzusammeln. Es wurde langsam Zeit weiter gen Osten zu reisen.
In dieser letzten Nacht im Tempel von Geryon warf das Schicksal lange Schatten. Regenwolken zogen auf. Ein seltenes fast schon magisches Naturschauspiel, so dass sich die unerträgliche Wärme angenehm abschwächte. Allerdings litten auch Lynch und Lafeya unter einem magisch wirkenden Ereignis. Erneut suchten Träume die beiden heim. Eine blutrote Perle, von der eine große Menge Macht ausgeht. Lafeya träumte davon, dass sie wenn sie die Natur bewahrt die Perle zerstören würde und erzählte dies der kleinen Gruppe. Lynchs Traum über die Blutperle war… anders… fantastischer… und vollkommener. Natürlich musste Lynch die Kugel versuchen zu bewahren… so er sie überhaupt finden würde.
Kaum hatten sie ein mächtiges Relikt geborgen, wurden sie durch eine seltsame Macht auf die Spuren des nächsten Artefaktes gesetzt…. War dies vielleicht das Wirken Geryons?

Selbst nun in der Gegenwart muss Lynch bei dem Gedanken schmunzeln. Geryon…Pah! Als ob. Damals warfen diese Träume Lynch jedenfalls in ein mentales Ungleichgewicht. Auf jeden Fall wurde es Zeit den Tempel zu verlassen. Die Regenwolken hingen tief im Nordwesten an den Gebirgen und ein feiner Nebel legte sich über die morgendliche Landschaft, was ein Reisen im Tageslicht recht angenehm werden lies.
Grade außerhalb des Canyons wurde die Gruppe damals mit einem großen Unheil konfrontiert. Ein Unheil in der Form eines schwerbewaffneten und gut gerüsteten Barbaren namens Goar. Der Barbar hatte allem Anschein nach ebenfalls offenbarende Träume gehabt und sich damals aufgemacht um seinen Freunden gemeinsam mit dem elfischen Barden Dalet entgegen zu reisen. Der Halbgigant hatte wohl ein wenig eingekauft, denn er ritt damals nicht wie gewohnt auf einem Kank, sondern lies sich vom Wind in einem Wüstenkarren mit Segel vorantreiben.
Die Wiedersehensfeier gestaltete sich kurz, freundlich und sachlich. Es wurden Gedanken ausgetauscht, die Situation erfragt und Lynch brachte Goar auf den aktuellen Stand der Geschehnisse… natürlich inklusive der seltsamen Träume über magische blutrote Perlen.
Das nächste Ziel sollte nun Nibeney sein. Die Stadt an der Grenze des Halbmondwaldes und in unmittelbarer Nähe von Lafeyas Heimat. Die Druidin wollte unbedingt sich nach dem momentanen Stand der Lage des schwindenden Waldes erkundigen. Nun… es sollte ihr vergönnt sein.
Auf dem Weg in Richtung Westen wurde die Gruppe dann auf einen Schwarm Aasgeier aufmerksam, die in einem hohen Kreis um eine unbekannte Futterquelle flogen. Der verdurstete Kadaver gehörte allem Anschein nach einem Menschen in magischer Rüstung der Mitglied der Veiled Aliance war. Neben allerlei unbedeutendem Tand trug der Mann einen arkan versiegelten umfangreichen Spionagebericht bei sich.
Der Mann war laut dem Bericht in einer Räuberbande eingeschleust worden, die unter dem Befehl von „Jarnard dem Schädel“ steht. Das Areal der Räuberbande lag laut den Aufzeichnungen und Azlans Wissen über diese Bande, irgendwo zwischen Silversprings und der Nibeneystreet. Jarnard war allem Anschein nach ein von Schätzen besessener und mächtiger Magier, der vor Kurzem in einem uralten Schrein oder Tempel ein Artefakt geborgen hatte, welches nach den Aufzeichnungen des Spions, der Blutperle aus unseren Träumen sehr ähnlich war. Jarnard hatte die Blutperle nach den vorliegenden Aufzeichnungen in seine lebendige Festung mit dem Namen Slither gebracht. Eine Festung, die aus einem unheiligen Ritual mit zahlreichen Opfern hervorging. Auf dem Rücken der gigantischen Bestie hatte Jarnard Mauern errichtet und Türme aufgebaut. Die Geschichten, die Azlan der Gruppe wiedergab waren fantastisch und grausig. Jemand, der solches zu schaffen im Stande war, war eine mehr als angemessene Herausforderung für die frisch wieder zusammengefügte Gruppe. Dennoch, die Verlockung durch die Perle lies das Risiko es Wert erscheinen. Somit wurde die Reiseroute erneut überdacht. Nibeney würde warten müssen. Zunächst galt es nun Slither anhand der Aufzeichnungen des toten Spions zu finden und die Blutperle zu bekommen. Laut den Dokumenten sollte die damalige Gefahr gestellt zu werden gering sein. Jarnard hatte die meisten seiner Leute losgeschickt und nutzte die Ruhe um nahezu alleine in Slither die Geheimnisse des Artefakts zu studieren. Also eine perfekte Ausgangslage für eine kleine Gruppe wahnsinniger Abenteurer den mächtigen Mule zu bestehlen.

Die Entscheidung war schnell gefällt und so wurde Tag und Nacht marschiert. Die Reise dauerte damals anderthalb Tage und führte in die Nähe der Dragon Bowl, wo es zu einem wirklich wiederwertigen Kampf gegen einen Gajj und einem Anakore kam.
Inmitten der zweiten Reisenacht kam der kleine Trupp in der Nähe der gigantischen Festung an und späte im Schutz der Dunkelheit die Lage aus. Die Dokumente des Spions waren anscheinend stimmig gewesen. Es waren nur wenige Wächter zu sehen und so wurden Pläne geschmiedet ungesehen in die Festung zu gelangen, in den Turm mit der Nummer vier einzudringen, die Perle zu stehlen und unbemerkt wieder zu verschwinden.

Unter der Führung Azlans stahlen sich die vier Abenteuerer in die unmittelbare Nähe des gigantischen Monsters und in die Schtten der Burgzinnen auf seinem Rücken. Das Wesen war mehr als nur wiedernatürlich. Größer als zwanzig Mekilots und vom Körperbau eher an einen Skorpion erinnernd. Und mit Wehrgängen und Türmen ausgestattet.

Nun galt es in die Festung zu gelangen ohne von den patroulierenden Wächtern entdeckt zu werden. Hierbei zeigten Lafeya, Goar und Azlan die ihnen innewohnenden Talente und gelangten auf unterschiedlichsten Wegen problemlos in den Innenhof vor Turm Nummer vier. Lynch … nun… Lynch hatte es schwerer. Sein gesamtes Leben lang hatte er sich Mühe gegeben, die Fähigkeiten zu lernen, das Interesse der Leute auf sich selber zu bannen und nun, musste er genau das Gegenteil bewirken. Der Zauberer der Gruppe hatte somit naturgemäß schwere Probleme und wurde beinahe mehrmals von den Wachen bemerkt. Letztlich standen sie aber dennoch alle vor dem Eingang in Turm Nummer vier, in welchem sich die Blutperle befinden sollte… noch vollkommen unbemerkt.

Lynch blinzelt im hellen Tageslicht. Endlich war er auf dem Marktplatz angekommen. Die Leute begrüßen ihn mit Klatschen und einigen wenigen kritischen Worten zu seiner Pünktlichkeit, als er die Ärmel hochrollt, seinen Rucksack wegstellt und mit seiner Show beginnt.

Endlich wird es Abend. Der geschäftige Tag findet ein Ende und Lynch, der sich soeben sein Honorar von den Händlern auf dem Marktplatz abgeholt hat macht sich auf dem Weg zurück in das Gasthaus.
„Weißt du Eve,… Ich glaube ich hätte das Zeug zu einem Politiker oder einem Gildenfürsten.“
„Warum Meister? Weil ihr hinter dem Geld anderer Menschen hinterher seid, wie ein Kirr hinter dem Wüstenfuchs? Weil ihr euer Wohl über dass aller anderen stellt? Oder weil …“
„Nein! Weil ich es schaffe, den Menschen meine Geschichten glaubhaft zu verkaufen, sie damit sogar noch unterhalte und Geld verdiene. Meine größten Lügen werden mir von den Lippen als pures Gold abgekauft.“
Der kleine Dämon überlegt einen kurzen Augenblick. „Nein Meister. Für die Politik seid ihr nicht böse und korrupt genug… egal wie viel Mühe ihr euch gebt.“
Lynch will grade zu einem bissigen Kommentar ansetzen, als er um eine Hausecke tritt und einem flammenden Inferno gegenübersteht. Das Gasthaus, in welchem er heute Morgen erwachte steht lichterloh in Flammen und zahlreiche Bürger, deren Schemen sich scharf vor den orangen Flammen abheben, versuchen verzweifelt zu löschen.
„Äh Eve… haben wir die Öllampen gelöscht als wir das Haus verließen?“
„Keine Ahnung Meister, aber ich glaube das ist nun egal.“
Eine kleine Detonation lässt die lodernden Balken erbeben und in sich zusammenstürzen, als das Feuer den selbstdestillierten Schnaps im Keller des Hauses erreicht. In einem Sturm aus emporsteigenden Funken brechen die letzten zusammenhängenden Holzgerüste auseinander und verwandeln die Gaststätte in ein recht ansehnliches Lagerfeuer, welches wie irre zuckende Schatten in die nahen Straßen wirft.
„Ich glaube wir sollten den anderen sagen, dass wir ein neues Gasthaus brauchen Eve.“
„Ich glaube sie wissen es schon, aber sag es ihnen ruhig Meister. Sie stehen da vorne bei den Leuten mit den Sandeimern und versuchen verzweifelt den Brand einzudämmen, damit er nicht auf die anderen Häuser übergreift.“
Lynch steckt die Hände tief in seine Taschen und nähert sich durch die wild arbeitenden Menschen langsam und planend den Schemen seiner Mitreisenden. Bislang wusste er nicht, was er ihnen erzählen sollte. Nun ja, wenigstens brauchte er heute nicht mehr sein Zimmer aufzuräumen.

Unbemerkt von den abgelenkten Menschen in der Straße die nach wie vor mit dem Löschen beschäftigt sind, wendet sich eine unbekannte humanoide Gestalt von dem zum Feuer gehenden Menschen namens Lynch ab. Unter der tief ins Gesicht gezogenen Kapuze der Gestalt im Zwielicht sieht man kurz ein scharfzahniges Lächeln aufblitzen als die Person sich tiefer in die Schatten zurückzieht und die Reste der vor Kurzem genutzten Pechgeschosse als auch Feuerstein und Stahl achtlos in den Unrat im Rinnstein der Straße fallen lässt.

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Vom einen Schlachtfeld zum übernächsten Schlachtfeld, welches wir fast nicht mehr verlassen hätten

Wow, ich weiß gar nicht so recht, was gerade passiert ist… das erklärt mir weder mein inzwischen ausgeprägter Abenteuersinn noch die Lehrstunden meines Meisters Elidrion. Und nach dem, was ich gerade erlebt habe, kann ich nur hoffen, dass sein Geist, wo auch immer er ist, den Geist der Natur nicht verärgert hat.
Und wieder einmal frage ich mich: Wie ist es eigentlich so weit gekommen, dass auch ich die Bekanntschaft des Geistes der Natur machen musste?
Bestimmt liegt alles an Azlan! Als wir uns soweit gesammelt, Lynch den Kopf gewaschen, und uns damit abgefunden hatten, dass Ou und Ki sich nicht mit unserem Überlebensstil anfreunden konnten und lieber in der Wüste verdursteten, stellten wir fest, dass sich auch Azlan, ohne ein Wort, davon geschlichen hatten. Wir fanden ihn nicht wieder und ehrlich gesagt kann ich mir auch im Nachhinein gar nicht erklären, warum wir nicht nach ihm suchten. Immerhin findet er alle nicht-magischen Fallen sehr zuverlässig.
Wahrscheinlich war die Gier bei Lynch zu groß und bei mir das Bestreben, so schnell wie möglich meinen Wald zu retten. Kolateralschaden wird in Kauf genommen.
Wir folgten dem Gang bis wir in einen Raum mit zwei Abzweigungen kamen. Es sah aus wie ein Arbeitszimmer. Doch die Bücher, die Lynch fand, waren nicht hilfreich. Am entgegen gesetzen Ende jedoch war ein sehr mysteriöser Nebel. Schnell war uns klar: Dorthinter ist das, was wir suchen. Wie auch immer es aussehen mag.
Doch so schnell ging es nicht. Wir trafen auf die Wächter dieses unbeschreiblichen Naturguts – untote Wächter, verbittert, gelangweilt und auf ewig verdammt, den Samen zu bewachen. Es war mir sofort klar, dass nur ich mit diesen naturliebenden Kreaturen kommunizieren konnte. Und so war es ausnahmsweise nicht Lynch, der das Wort führte, sondern ich. Mit unglaublich viel Feingefühl und großer Authentizität überzeugte ich die Wesen, dass auch wir für die Natur nur das Beste wollten. Lynch versuchte zwar, meine Bemühungen zunichte zu machen und quatschte ein paar Mal in meine Argumentation hinein, aber letztendlich gelang es uns, des Kampf zu entgehen und so unsere Kräfte zu schonen.
Wir folgten dem einen Weg und gelangten in eine Höhle voller Statuen. Unter der größten Statue, einem komischen Vogelwesen, lagen viele Silbermünzen, ein Dolch, von dem wir zunächst nur einen Griff sahen, und ein Steinquader, der auf jeden Fall einer der Schlüssel für die Nebeltür sein musste.
Wieder ist es mir, meinem Mut und meinen außergewöhnlichen Fähigkeiten zu verdanken, dass wir sowohl einen Großteil der Silbermünzen, als auch den Dolch, als auch den Schlüssel ohne einen großen Kampf sichern konnten. Als kleine Spinne schlich ich mich zur Statue und nachdem ich die Beute in meinen Beutel geschöffelt hatte, teleportierte ich mich wieder raus und scheute dabei keine Angriffe der ansonsten starren Statuen.
Im anderen Raum befand sich ebenfalls eine Statue. Sie sah eher aus wie ein Engel. Doch das war nicht alles, was sich in dem Raum befand: der Geist des sonst so aufweckten Lynch wurde vernebelt von einer Banshee-Gestalt, die ihm Glauben machte, sie sei eine alte Verflossene. Während Rikkard und ich uns also mit den Untoten rumschlugen, war Lynch total von Milly eingenommen und kämpfte nicht mit, sondern gegen uns. Ich hätte erwartet, dass es mehr bedürfe, um Lynchs Bewusstsein zu verändern. Was ich eigentlich schon längst wusste, wurde hier noch einmal deutlicher: es ist besser, mit Lynch zusammen für eine Sache zu kämpfen, als gegen ihn. Denn auch wenn er sich oft als Feigling aus den Kämpfen heraushält, wenn er kämpft, dann ist er stark. Das wird mich jedoch nicht davon abhalten, mich gegen ihn zu wenden, sollte es nötig sein, um meinen Wald zu retten.
Letztendlich gelang es uns doch auch, diesen Kampf zu bestehen und den zweiten Teil des Schlüssels für die Nebeltür zu bergen. Ich kann meine Ungeduld kaum bezwingen, doch die Vernunft rät mir, dass wir uns erst ausruhen müssen, bevor wir die Tür endlich öffnen und durchschreiten.
Als wir endlich soweit sind, hat sich jede Sekunde Warten gelohnt. Wir werden belohnt mit dem Anblick der vollkommensten Natur, die ich mir je vorstellen konnte. Saftige Blätter, grüne Ranken, eine Luftfeuchtigkeit, die alles noch viel lebendiger scheinen lässt. Ich fühle das Leben regelrecht pulsieren, es strömt, es fließt in jedem grünen Grashalm, in jeder Ader jedes Blattes, das sich in dem wunderbaren Biotop hinter der Tür befindet. Mein natürlicher Instinkt lässt mich auch gleich die Quelle dieses Reichtums ausfindig machen. Ich sehe den unbeschreiblichen Samen eines Lebensbaumes. Ich kann mich nicht mehr halten und will mich darauf stürzen.
Doch wir werden aufgehalten – von Avor, der seinerzeit den Samen an seine jetzigen Platz brachte. Doch Avor ist nicht allein, er hat Unterstützung von ich weiß nicht wie vielen untoten Lakeinen. Schnell wird klar, dass dies der heftigste unserer Kämpfe wird. Wir sind nur zu dritt und haben mindestens eine doppelte Übermacht gegen uns. Doch unser Wille zu überleben wird von dem grünen Anblick noch einmal bestärkt. Wir kämpfen hart und erbarmungslos, doch letztendlich müssen wir einsehen, dass wir keine Chance haben. Aufgeben gibt es nicht. Ich kämpfe und kämpfe, ich falle, werde ohnmächtig, werde wieder wach, kämpfe weiter und taumle erneut. Diesmal ist keiner da, um mich zu retten und ich drifte ab, mache mich auf den Weg in die ewige jenseitige Natur, hoffe, dass es dort so grün ist, wie der Ort, an dem ich sterbe, denke an meine Eltern und frage mich, ob ich sie wohl bald wieder sehe, sehe vor meinem geistigen Auge nochmal den Halbmond-Wald und bedaure, dass auch ich ihn nicht retten konnte, bedaure, dass es jetzt wohl keine Rettung mehr gibt, fühle einen Augenblick eine unglaubliche Schwere und dann plötzlich bin ich wieder ganz leicht. Ich schwebe, entferne mich von den weltlichen Schmerzen und Leiden und will gerade das ewige Grün erreichen….
Da werde ich zurückgehalten! Ich begegne dem Geist der Natur. Und er macht mir ein Angebot: Ich darf zurück in die Welt und versuchen, meinen Wald zu retten. Ich bekomme eine zweite Chance. Und die Aufgabe, das zu beenden, wozu ich losgezogen bin. Erst sträube ich mich. Ich hatte schon dieses leichte Gefühl gespürt. Ich will es wieder spüren. Ich erwäge ernsthaft, weiter zu ziehen und mich nicht mehr mit weltlichen Problemen herumzuschlagen. Doch die Liebe zu meinem Volk ist zu groß. Ich nehme das Angebot des Geistes der Natur an. Doch ich frage ich, ob es einen Haken an der Sache gibt. Mehrmals. Eindringlich. Nach meinen Erfahrungen in Athas gibt es nichts umsonst. Doch es scheint anders zu sein in dieser Zwischenwelt. Auch wenn mir der Geist nicht sehr sympatisch ist, will er anscheinend keine Gegenleistung. Also beschließe ich, zurück zu kehren. Und ich beschließe, dass ich genauso schnell die lebendige Welt wieder verlassen werde, wenn sich heraus stellt, dass ich einen faulen Kompromiss eingegangen bin….
Und ich bin zurück.
Wir bekämpfen Avon und sind endlich erfolgreich. Auch Rikkard geht zu Boden. Aber wir siegen und so denke ich mir, Lynch, der sich neben ihm niederkniet, wird ihm schon helfen.
Ich gehe in die Knie und horche in mich hinein, horche in meine Umgebung, fühle die Energie des Baum des Lebens. Ich atme tief ein und, spüre das Leben nicht nur, ich rieche es auch. Ich atme noch einmal tief durch. Langsam beruhigt sich mein Puls, ich komme zur Ruhe, ich fühle mich, als würde ich aus einem Rausch erwachen. Ich fühle…. Schmerz, Verwirrung, Erschöpfung, Siegestrunkenheit, Stolz, den Drang weiter zu ziehen. Ich fühle mich… wie immer…. fast….. nein, ich fühle auch etwas anderes…. ich fühle…… mich anders.

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Going to hell in a handbasket
Viele neue Freunde

Dieser Geruch ist nasenbetäubend. Das Tor öffnet sich und vor mir stehen die schwelenden Gestalten meiner Mitreisenden. Ki und Ou, die uns erst seit so Kurzem begleiteten, hatten einiges eingesteckt und verloren beim Anblick meiner nicht verkohlten Gestalt die Contenance.
Die beiden an sich total hilflosen Gestalten schleudern mir ein paar verächtliche Worte entgegen, bevor sie den Tempel verlassen und alleine in den sicheren Tod wandeln.
Nun… sollen sie.

Ich drücke den Rücken durch und schaue mich um. Azlan hat anscheinend ebenfalls die Gelegenheit genutzt sich zurückzuziehen. Ich räume ihm jedenfalls eine höhere Überlebenschance als den anderen beiden ein. Spätestens in Silversprings werden wir sicher auf ihn stoßen.

Der nächste Raum nach dieser Räucherkammer irritiert mich. Dunkelheit unterbrochen von einer leicht glühenden Nebelbariere hinter der man eine weitere Tür ausmachen kann. Da unser schurkischer Fallenspürhund nicht anwesend ist, sind wir vorsichtig. Wir schleudern brennende Fackeln in den Raum und können in den Schatten Umrisse von Trümmern einst nobler Einrichtung, Bücherregale und zwei sich gegenüberliegende Tore die tiefer in den Tempel führen ausmachen.
Viel zu ruhig. Ich schleudere den Fackeln ein „Wir kommen in Frieden!“ hinterher und bereite einen Feuerball vor.
Überraschender Weise treten recht umgehend vier untote Wächter aus der Dunkelheit. Sie schnüffeln in unsere Richtung und dann, anstelle sich auf uns zu stürzen, … gehen sie wirklich auf mein Friedensangebot ein. Leider schaltet sich Lafeya an dieser Stelle ein, bevor ich meine Überraschung überwinden und mein Todesgeschoß loslassen kann.

Eines der Wesen richtet das Wort an die Eladrin. Das Miststück (der Zombie, nicht Lafeya) weigert sich aus irgendeinem Grund mit mir zu reden. Ich rieche nach Stadt… Als ob. Schön wärs. Das sie mit dem Zwerg nicht sprechen wollen kann ich ja noch verstehen aber … ach ich sollte nicht darüber nachdenken.

Auf jeden Fall versucht Lafeya mit den Viechern zu verhandeln. Alles wird von dem großen Thema Wald beherrscht. Und meine Nackenharre stellen sich auf, als sich die hautlosen Gestalten nach und nach der Tür, in welcher wir noch immer stehen, nähern.
Das Gespräch entwickelt sich immer weiter, während Rikard und ich nervös die sich nähernden Schatten beobachten.
Die vier Wächter vor uns kamen vor drei Jahrhunderten mit ihrem Anführer Avor in den Tempel von Geryon und übernahmen die Aufgabe den Samen des Lebens vor etwas oder jemandem zu bewachen. Durch irgendeine ominöse Macht im Tempel erhielten die fünf allem Anschein nach die Macht, den Samen auf ewig zu schützen. Sehr zum Leidwesen der vier Wächter vor uns möchte ich an dieser Stelle anmerken. Von Avor erzählten die Wächter weiter nichts. Die vier Gestalten willigen ein, uns ohne einen Kampf passieren zu lassen, wenn ich erneut einen Eid ablege. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass mir die Leute, denen ich begegne nicht trauen. Ich muss bei allem was mir heilig ist schwören, mich nicht als Defiler an dem Samen zu versuchen. Nun sollen sie doch glauben was sie glauben wollen. Ich leiste also einen weiteren Eid. Je mehr ich von diesen Dingern mache, desto weniger Bedeutung haben sie für mich. Ich habe ein festes Ziel und wenn diese Knochengestalten meinen sie könnten die Zukunft aufhalten, dann haben sie sich geschnitten.
Nach meinen beschwichtigenden Worten, halten sich die vier jedenfalls an ihr Wort. Der Anführer von ihnen erschafft ein dunkles Portal und die vier untoten Wächter gehen in Rente. Seltsam, hätten sie eigendlich auch eher machen können, wenn ihnen ihr Job nicht gefiel.

Wir untersuchen den Raum mit der leuchtenden Nebelwand. Ich sammel ein paar Bücher ein, Lafeya bewundert das Interieur und Rikard wird von der leuchtenden halbtransparenten Wand mit Blitzen beharkt, als er versucht, die dahinterliegende Tür ohne die dazugehörigen zwei Schlüssel zu öffnen.
Also machen wir uns auf den Weg und durchsuchen die Dunkelheit hinter den beiden offenen Türen dieses Raumes. Der erste Nebenraum beinhaltet dutzende Statuen mit Keulen und stellt sich als eine einzelne Falle heraus. In der Mitte des Raumes befindet sich jedenfalls der erste Teil des Türschlüssels und was mich besonders interessiert, eine recht große Statue eines Bewohners des Abyss. Diese Wesen interessieren mich seit meinen ersten Studien des Arcanen. Die Welt aus der Eve stammt und deren fantastische Sprache ich als einer der wenigen beherrsche. Eine Welt voller Magie, Kraft und Wunder.
Lafeya verwandelt sich mal wieder in eine Spinne und huscht zu den Beinen der großen Statue. Sie greift sich den Schlüssel und eine Hand voll Opfermünzen und teleportiert sich zu uns zurück. Damit haben wir Teil Eins von Zwei. Ein kleiner Versuch von Rikard zeigt später, dass die Statuen überaus wehrhaft sind. Sie verfolgen uns zwar nicht, aber jedem der sich ihnen nähert wird ordentlich eingeschenkt.

Auf der Suche nach dem zweiten Schlüssel im anderen Nebenraum, mache ich mich mit ein wenig arcanem Wissen nützlich und öffne uns den Eingang zu einer Kammer in dem … ein Mädchen sitzt…
Ein Mädchen, dass ich aus meiner Jugend kenne … Meine Augen weiten sich und meine Kehle schnürt sich leicht zu als die Erinnerungen in mir hochsteigen.
Milly. Ich kannte sie aus meinem früheren Leben in Tyr. Wir beide waren damals heimatlos gewesen. Doch während ich meinen Lebensunterhalt mit Stehlen und später mit der Schankwirtschaft von Flynn erarbeitete, war sie auf der Straße geblieben. Sie hatte anfänglich das von mir gestohlene Obst verkauft, später dann Wasser für dubiose Händler und später hatte sie ihren Körper verkauft…
Milly. Ich hatte damals ihre Leiche in meinen Armen gehalten. Der Mörder von ihr war wie sie schon lange tot, dennoch hier im Tempel von Geryon befand sich ihr zarter Körper. Sie sitzt zusammengekauert in der Ecke des Raums und Tränen laufen über die unter Schluchzen bebenden Wangen von Milly. Gefühle, wie ich sie schon lange nicht mehr gespürt habe lodern in mir auf, als ich zu ihr renne und sie umarme. Ich will sie trösten und nichts auf der Welt oder dahinter kann mich davon abhalten. Lafeya und Rikard blicken mir irritiert nach. Sollen sie doch.
Ich habe keine Augen für das andere was nun geschieht. Ich höre leise Stimmen hinter mir, doch alles andere außer dem warmen bebenden Körper vor mir ist nun egal. Ich hauche ihr tröstende Worte zu und wische ihre Tränen weg. Ich hatte ganz vergessen, wie tief diese traurigen grünen Augen waren.
Wieder diese Stimmen. Irgendetwas versucht meine Aufmerksamkeit von Milly abzulenken. Ich wehre mich dagegen. Milly braucht meinen Schutz. Ich darf sie nicht noch einmal alleine lassen. Millys Hand greift kurz in meine, als ich erneut diese Geräusche vernehme. Eine Woge des Zorns schwappt über meinen Verstand, als ich mich umsehe und versuche die Quelle auszumachen.
Es ist, als würde ich aus einem Traum erwachen. Ich habe meine Hand gegen Lafeya erhoben und direkt neben ihr sehe ich wie der Rest meines magischen Geschosses einen Teil der Wand wegschmilzt. Ich habe angegriffen? Der Raum ist mit vier weiteren Gestalten bevölkert, die ich nicht kennen und auch nicht kennenlernen will. Vier untote Wesen mit heraushängenden Gedärmen gieren nach Lafeya und Rikard. Ich halte nach wie vor Millys Hand und schaue fragend zu ihr.

Das Wesen, dass mir entgegenstarrt ist sicher nicht Milly. Eine halbtransparente Gestalt. Zweifellos weiblich, aber von solch böser Natur und Ausstrahlung umgeben, dass seine Natur mir fast sofort klar wird. Eine Banshee, ein Klagegesit, der seine Opfer dominieren kann.
Der entbrennende Kampf ist die Hölle für mich. Ich werde immer wieder von der Magie der Banshee gebannt und verfalle in einen stetigen Wechsel der Gefühle. Hass, Mitleid, Zorn, Kummer. Immer wieder verfalle ich dem Wesen und wende mich gegen meine Mitreisenden. Letztlich sammele ich in einem Moment kurzer Klarheit meine restlichen magischen Reserven und schleudere dem Geistgeschöpf einen Strahl gleißenden Lichtes entgegen. Lafeya und Rikard haben inzwischen die vier untoten Wesen bezwungen und die Banshee entschwindet und versickert im Gemäuer des Tempels. Elendes Miststück!
Hinter dieser Kammer finden wir den zweiten Schlüssel für die Nebeltür verborgen unter einem magischen Feld. Mit einigen Blessuren und ein wenig Knobelei gelingt es uns aber auch diesen an uns zu bringen.

Wir sind ziemlich mitgenommen nach diesem letzten Gefecht und einigen uns auf eine kurze Rast im Inneren des Tempels. Weder Azlan, noch die Banshee kehren in dieser Nacht zurück. Nach einem hastigen Frühstück öffnen wir mit den beiden Schlüsseln die Tür hinter der nun zerfasernden Nebelwand und treten in einen Ort, der dem Garten eines Hexerkönigs gleicht. Mittem im Tempel, befindet sich ein Wald. Klares Wasser fließt aus kleinen Quellen in den Wänden. Bäume und große Pilze sprießen aus dem von Graß bedeckten Boden. Kletterpflanzen umgeben Säulen … Die Magie in diesem Raum ist beinahe zu schmecken. Unweit von uns entfernt, am anderen Ende des Raumes kniet eine Gestalt vor einer dreiköpfigen Statue von Geryon. Umgeben von totem Graß und legt die Hände an das was für mich so aussieht wie ein Samen von einem Lebensbaum.
Wenn ich den nicht defilen darf, dann der da ganz sicher auch nicht.
Der Mann, der komplett in schwarz gekleidet ist, nennt sich selbst Avon Fireswan. Ich hasse ihn nun schon. Er ist derjenige, der vor 300 Jahren die vier untoten Wächter an diesen Ort führte und nun ist er dabei den Baum und den Samen zu defilen, den er beschützen und bewahren sollte. Avon pikiert sich über uns und ruft sich eine Horde untoter Helfer herbei… Ich muss auch unbedingt an diesem Samen saugen, wenn er solche Macht verleiht.
Der Kampf ist gelinde gesagt unfair und nach und nach brechen wir vor Avor zusammen. Erst Rikard, dann Lafeya und daraufhin direkt auch ich.

Schwarz, Ende, ich bin tot… Allerdings… Hm… recht geschmackvoll eingerichtet dieses Leben nach dem Tot. Hohe mit Vorhängen bedeckte Wände, viele weiche Kissen, ein süßlicher Geruch in der Luft und… oh mein Gott, ein wunderschöner Todesengel… äh Todesdämon … äh… sagen wir eine Frau mit Hörnern und wenig Kleidung.
Es folgen einige Offenbarungen über die wahre Natur von Geryon, die mir deutlich besser gefallen, als die Geschichte, die die Tempelwände erzählen. Und letztlich erhalte ich einen Vorschlag: Folge weiter Lafeya und bewache den Samen, diene meinem Meister als Augen und Ohren und schlage einem Weg ein, den ich dir vorgebe. Töte Rikard und nimm einen weiteren Geist in deinem Wesen auf, der die Seelen deiner Opfer den Weg zu Geryon weist. Im Gegenzug erhältst du dein Leben zurück, Avon verliert die Macht über seine Untoten, du erhältst die Gabe Elementare und Geistwesen für eine kurze Dauer zu stärken und du bekommst den Schlüssel zum grünen Tor (was auch immer dies ist).

Klingt doch sehr positiv. Ich willige mit einem breiten Grinsen ein und trete zurück ins Leben, wo auch schon Lafeya wartet und Rikard um sein letzes bisschen Leben kämpft. Keine Ahnung, welchen Deal die naturverbundene Lafeya abgeschlossen hat, aber mir geht es großartig. Wir treten Avor, der plötzlich alleine uns gegenübersteht, gewaltig in seinen Defilerhintern und ich genieße es förmlich zu sehen, wie er mit seinem letzten Atemzug Rikard in eine tiefe Bewusstlosigkeit schlägt. Ich eile zu Rikard um vor Lafeya bei ihm zu sein und tue so als würde ich ernsthaft versuchen ihn retten zu wollen. Anstelle ihn aber zurückzuholen, ramme ich ihm im Verborgenen meinen Dolch in sein Herz. Damit ist dieser Teil meiner Abmachung geschafft.
Dennoch… als ich mich vom Leichnam des Zwergs erhebe und mich umschaue merke ich, dass hier etwas nicht stimmt.

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Von der Schlaf-Höhle im Cannon bis in die Höhle hinter der anderen Höhle und dem großen Tor

Jetzt hat der Kerl das schon wieder geschafft! Ich sollte mich wirklich fragen, ob eine Allianz mit Lynch die richtige Wahl ist. Immer wenn es brenzlig wird, hält er sich raus und überlässt uns unserem Schicksal. Muss man nicht in einer gemeinsamen Reisegruppe füreinander Kopf und Kragen riskieren. Versucht man nicht, diese Gruppe zu erhalten, wenn man schon so viel zusammen überstanden hat?

Aber von vorne:

Ich saß – mal wieder – am Lagerfeuer und hielt Wache. Es schien alles ruhig, auch unsere Nachbarn verhielten sich nicht ungewöhnlich. Irgendwann jedoch kamen zwei Reisende den Cannon entlang. Ou und Ki. Sie waren wohl auf der Suche nach gestrandeten Handelskaravanen – warum sie gerade hier lang gingen verstehe ich auch nicht, immerhin mussten sie ja auch noch an diesen furchtbaren Vögeln vorbei. Auf jeden Fall schienen sie noch nicht so erfahrene Reisende wie wir zu sein, hatten sie doch kaum noch Proviant und waren zu zweit auch recht ungeschützt.

Nach dem ich sie eingehend befragt und eingeschätzt hatte, kam ich zu dem Schluss, dass sie ungefährlich waren, und da ich jetzt ja weiß, dass man in Athas immer zuerst auf sein eigenes Wohl schauen muss, verpflichtete ich sie kurzerhand, uns heute bei unserer Mission zu helfen. Irgendetwas sagte mir, dass ich mir keine Sorgen machen musste, ihnen unsere Entdeckungen zu erklären oder unsere Beute mit ihnen teilen zu müssen.

Natürlich waren Lynch und Rikard zuerst nicht sehr erfreut darüber, dass wir jetzt noch weitere Mäuler stopfen mussten. Rikard fürchtete wohl auch im seine Stellung als oberster Söldner / Sklave bei uns. Aber meine unbestechbare Logik ließ ihren Widerstand dahin schmelzen.

Wir beschlossen also, die Höhle der Mules zu stürmen und sie zu überrraschen. Während sich alle anderen Mitstreiter vor der Höhle versteckten, schlich ich mich todesmutig als Spinne getarnt hinein mit dem Plan, sie zu erschrecken. Direkt vor dem Magier, der versuchte, das Portal aufzubrechen verwandelte ich mich in einen fürchterlichen, gefährlichen Löwen und brüllte, was das Zeug hielt. Ich fand mich selbst ziemlich beängstigend. Der Magier und seine Handlanger jedoch waren zu überheblich, um sich vor mir zu fürchten. Aber das Fürchten haben wir sie gelehrt. Wir ließen keinen am Leben und nach einem kurzen, aber harten Kampf, indem Rikard unseren Erwartungen nicht gerecht wurde und recht schnell am Boden lag, konnten wir uns an die Aufgabe machen, das Portal zu öffnen.

Mit Lynchs Magiewissen und meiner gedanklichen Meisterleistung (ich gebe zu, Ou hat mir ein bisschen assistiert), konnten wir das große Tor schließlich öffnen und fanden uns in einem langen Gang wieder.

Wir gingen weiter und kamen letztendlich zu einem weiteren Schlachtfeld und einem Altar. Doch auch hier fanden wir sonst nichts, was auf den Samens des Lebensbaumes schließen ließ, und so ließen wir auch diesen Raum hinter uns.

Jetzt war Azlan an der Reihe und bewies wieder einmal, dass er nur deshalb so ein guter Schurke ist, weil er zuverlässig alle Fallen nicht entschärft, sondern selber auslöst, sodass wir zumindest sicher von ihrer Existenz wissen.

Wir überwanden auch die letzten Rätsel dieses Tempels und bewiesen, dass wir Geryon sowohl vorwärts als auch rückwärts buchstabieren können.

Endlich kamen wir zu einer nächsten Tür, hinter der sich ein Raum befand mit mehreren verschloßenen Steinsärgen. Hier musste sich doch etwas wichtiges finden lassen. Wild entschlossen fingen wir alle gemeinsam an, die Särge zu öffnen. Alle? Nein, Lynch blieb hinter der Tür stehen. Und als, was natürlich zu erwarten war, wir unsere ersten Gegner erspähten, und sich die Tür auf wundersame Weise schloss, stand Lynch noch draußen. Es war ein harter Kampf und wir hätten Dazzling Ray und Ice Dragon Teeth gut gebrauchen können.

Wieder einmal war es ein harter Kampf, den ich im einzelnen nicht zu rekonstruieren vermag. Viele gingen zu Boden, Rikard stand zum zweiten Mal innerhalb kürzester Zeit auf der Schwelle in die ewige jenseitige grüne Natur. Doch wieder einmal siegten wir, in dem unerschütterlichen Glauben, durch unsere Taten dieser elenden Wüstenwelt wieder ein bisschen Leben einhauchen zu können.

Und wieder einmal erholen wir uns auf einem Schlachtfeld, verbinden unsere Wunden und hören uns Lynch’s hämische Sprüche darüber an, dass es ihm natürlich ausgezeichnet geht. Wäre doch nur Goar hier, der wäre diesem Kampf garantiert nicht aus dem Weg gegangen….

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No Lynch left behind
Und plötzlich war die Tür zu…

Was zum…!? Lafeya treibt mich in den Wahnsinn. Kaum schließe ich nachts die Augen um ein wenig zu schlafen, lässt die Eladrin neue Leute in unsere Gruppe. Ich schwöre bei Flynns Grab, dass ich kaum eingeschlafen war, als dieser blauäugige Naivbolzen zwei durch den Canyon stromernde verhungernde Fremde Abenteuer zu uns ans Lagerfeuer und an unseren Proviant einlud.
Nunja es mag schon sein, dass wir ein wenig Unterstützung brauchen. Azlan, Lafeya und ich geben zwar unser Bestes, doch keiner von uns besitzt diesen Stehaufmänncheneffekt von Goar. Selbst unser neuster Zuwachs Rikard, der haarlose Schlächter, kann den Mangel an Brutalität und fehlender Körperhygiene nicht aufwiegen…
Irgendwie fehlt mir der große waffenzerstörende Narr. Nun ja, man muss mit dem arbeiten was man hat. Also habe ich nun mich, die aufsässige Eve, den meuchelnden Azlan, die naive Lafeya, den haarlosen Rikard, den neuen Menschen: Ki und den ihm folgenden Mule: Ou. Letztere hatten anscheinend vorgehabt, im Canyon nach verlorenen Handelsgütern zu suchen und wurden dann wie wir von den Arakoras aufgehalten… büßten allerdings ihren gesamten Proviant ein. Elende Amateure.

Und nun machen wir uns gemeinsam auf den Weg den Zwerg und seine Mules aus der Nachbarhöhle zu werfen. Wir sind uns sicher, dass sich hier der Eingang zum Tempel befindet und … ich werde den Samen sicherlich nicht mit diesen Personen teilen.
Lafeya ünternimmt einen Versuch, das halbe Dutzend Personen mit ihren naturgegebenen Kräften zu überraschen und ein Kampf zwischen unserer angewachsenen Gruppe und diesen angehenden Schmarotzern entbrennt. Mit solchen Gestalten verhandelt man nicht lange. Der Zwerg entpuppte sich als Sonnenpriester und setzte uns sehr zu, während sich die Mules Rikard, Azlan und Ki annahmen. Rikard bezog am meisten Prügel und besah sich des Öfteren den Boden der Höhle genauer… nun er ist halt ein sehr erdverbundener Zwerg.
Letztendlich obsiegten wir und töteten jeden einzelnen unserer Gegner. Der Tag fing also recht blutrünstig an.

Wir lecken unsere Wunden und untersuchen die Höhle genau. Neben der Ausrüstung und dem Proviant dieser Gruppe (wir nehmen beides dankend an uns)finden wir eine Tür, die allem Anschein nach zu dem führt, zu dem wir zu gelangen versuchen. Der Tempel scheint unmittelbar hinter dem Tor zu liegen, welches der Zwergenpriester versucht hatte zu öffnen. Auf der Tür sind drei Inschriften, eine in Handelssprache, eine in Abyssal und eine in einem Kauderwelsch, welches für mich wie religiöses Gekrakel wirkt. Ebenfalls befindet sich ein Platte mit Zahlen auf dem Tor. Ich übersetze so es mir möglich ist alles bis auf das religiöse Zeug und bringe ein wenig über diese ominöse Gottheit in Erfahrung. Geryon, drei Gestalten, Krieg, Opfer, Bla bla… sehr uninteressantes banales Zeug und nur für Priester und Häretiker.

Lafeya und Ou werfen einen Blick auf die Steintafel an der Tür und lösen innerhalb weniger Augenblicke das Rätsel, welches der Zwergenpriester in mehreren Tagen nicht gelang. Zwerge eben.
Mit dem Lösen des Rätsels öffnete sich das Tor und gab uns den Einlass in einen länglichen dunklen Gang. Im Fackelschein erkennen wir Wandreliefs. Viele Wandreliefs. Überall sind geflügelte Menschen abgebildet. Wir kommen dem Samen näher, ich spüre es in meinen Fingerspitzen.
Wir verlassen den Gang und erreichen einen Opfer- oder Tempelraum. Ein großer Altar, Überreste lang verfallener Holzbänke, Fragmente alter Statuen, etwa 40 auf dem Boden liegende menschliche Skelette und unzweifelhafte Spuren eines lang zurückliegenden Kampfes. Kulte und Religionen, man weiß nie genau was man tut, aber man weiß, dass es stets in Tränen und Blut endet.
Hinter dem Altar zeigt sich jedenfalls eine weitere Tür, die uns tiefer in den Tempel von Geryon leitet. Ich habe ein ungutes Gefühl bei diesem Portal und setze mich in den Schatten des Altars, während Azlan nach möglichen Fallen sucht. Die plötzlich aufwallende Hitze und die Schmerzensschreie Azlans zeugen von einer weisen Entscheidung. Der Duft von gebratenem Fleisch erfüllt die Luft, als ich mich hinter dem Altar erhebe und an dem noch immer schmauchenden Azlan vorbei eine magische Rune an der Tür entdecke und entferne.
Hinter dieser Tür befindet sich erneut eine Falle. Bodenplatten, denen man in einem bestimmten Rhythmus folgen muss. Keine große Herausforderung nachdem wir die Funktionsweise mit der Trial an Error Taktik erkundet hatten.

Und wieder stehen wir vor einem großen Tor. Diesmal ist es offen… Eine gigantische offene Doppeltür zeigt einen recht großen Raum, dessen Fußboden mit zahlreichen Knochen bedeckt ist. An der gegenüberliegenden Seite des Raums ist eine verschlossene Tür und im Raum selber befinden sich vier große Steinsärge. Wieder beschleicht mich dieses Gefühl, dass etwas falsch in dem Raum ist. Während meine Mitstreiter in den Raum stürmen und die Steinsärge auf der Suche nach… keine Ahnung was… öffnen, harre ich vor dem noch immer offenen Portal und warte auf das Unausweichliche.
Das Letzte, was ich noch sehe, bevor das Portal, vor mir mit einem lauten Knall, zufällt sind züngelnde Flammen um meine Kameraden und dass sich die Knochen auf dem Boden bewegen.
Das Portal scheint magisch versiegelt und ich mache mich gemächlich daran es von meiner Seite aus zu öffnen. Von der anderen Seite aus höre ich einen Kampf. Gedämpfte Schmerzensschreie… Ich glaube Rikards Keuchen zu hören und mache mich wieder mit einem Lächeln auf den Lippen an die Arbeit… Zwerge halt.
Endlich löse ich das Rätsel der mystischen Rune und das Portal beginnt sich wieder zu öffnen. Der Kampflärm erstirbt in derselben Sekunde und vor mir sehe ich die fünf humanoiden Schemen meiner Begleiter im Rauch… Der Boden schwelt und dort ist wieder dieser Geruch von gebratenem Fleisch in der Luft…

Irgendwie bekomme ich Hunger.

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Last Lynch standing
Von Käfern und Canyons

Was tue ich hier in der Wüste? Eigentlich sollte ich ja ein paar Kontakte aufsuchen und die Schwarzmärkte durchkämmen. Aber stattdessen liege ich hier und blute. Diese unter dem Sand lauernden Käfer haben mir ordentlich zugesetzt und so fällt es mir doch recht leicht in einen traumlosen Schlaf zu fallen.

Wie es so oft ist, kommt das Grauen langsam mit dem Erwachen. Während meines Schlafes hat sich ein Zwerg unserem Lager genähert und mit Lafeya und Azlan verhandelt.
Rikard der Schlächter nennt er sich. Anscheinend ein ehemaliger Arenakämpfer, dessen Karawane unweit entfernt überfallen und zerstört wurde. Da er alleine und ohne jeden Proviant ist, möchte er seine Dienste für Wasser und Essen bei uns eintauschen. Vielleicht liegt es an meinem starken Blutmangel, doch ich habe das Gefühl, dass eine Klinge mehr in der kommenden Konfrontation nicht schaden wird. Nachdem wir den Tempel gefunden, den Samen vom Baum des Lebens an uns genommen und die nächsten Gefahren überlebt haben, kann man ihn immer noch loswerden.

Aber nun wird der kleine Haarlose erst einmal von Lafeya aufgepäppelt. Soll sie ihn nur füttern. Ich werde jedenfalls darauf achten, dass der Kleine sich nicht zu tief in unsere Vorräte hineinfrisst.
Nach einem ausgiebigen Frühstück brechen wir auf in die Richtung, die uns unser Wüstenkompass weist. Der Canyon von Gothay liegt noch etwa zwei Tagesreisen entfernt und so hält Lafeya unterwegs Ausschau nach Möglichkeiten unseren Wasservorrat aufzufüllen.

Ein Kakteenhain unweit unserer regulären Reiserute lädt uns geradezu ein, die Kanks zu füttern und mit prall gefüllten Wasserbeuteln weiterzureisen. Nun sagen wir mal die Einladung hattte nicht lange Bestand. Ein Schwarm Feuerkäfer grub sich aus dem Sand und attackierte uns umgehend. Was gibt es angenehmeres als feuerspuckende Krabbeltiere.
Einen ekeligen Kampf später musste ich mit ansehen, wie klein leider unsere Wasserausbeute ausfiel. Langsam hege ich erste Zweifel an unserem Proviant… vor allem seit wir nun zu viert sind.
Die Weiterreise zu dem vermuteten Tempel von Gerion verläuft unauffällig… nun zumindest solange, bis wir am Eingang des Canyons von einem Stamm Arakoras angehalten werden. Diese Spatzenhirne wollen wirklich Wegzoll von uns fordern. Nach ein wenig hin und her und einem gescheiterten Vergiftungsversuch von mir, überlasse ich dem Schwarm wieder einen Teil unseres schwindenden Proviants. Sicherlich hätten wir sie auch niederkämpfen können, doch ich glaube unsere Kräfte sollten bis zum Tempel ein wenig geschont bleiben

Der Canyon ist ein wirklich ungemütlicher Ort. Kein Anzeichen vom Defiler bislang. Trotzdem werden wir beobachtet. Zahlreiche Augen richten sich in den dunklen Höhlen auf uns während wir vorbeireiten. Die hohen Wände schließen das Licht aus uns so reisen wir in fast vollkommener Dunkelheit immer weiter. Letztlich erreichen wir ein paar größere Eingänge in der Felswand. Gut möglich, dass sich hier in der Nähe der Tempel befindet. Vorsichtshalber ziehen wir unsere Waffen um der nächsten bösen Überraschung entgegenzutreten. Und tatsächlich sehen wir uns wieder Krabbeltieren gegenüber. Gigantische Tausendfüßler wuseln aus dem Fels hervor und greifen uns an. Der Kampf ist hart… bloß gut, dass wir unsere Kräfte gespart haben. Nachdem die Krabbler tot sind kommt der nächste ungebetene Gast. Ein Zwerg und vier Mule tauchen aus dem Nichts auf, versuchen uns zu erpressen und klopfen schlaue Sprüche. Wir geben ihnen Paroli und schlagen in einer der Höhlen unser Lager auf. Allem Anschein nach haust die andere Gruppe direkt gegenüber und versucht eine Tür mit einer Schrift zu öffnen, die sie nicht zu entziffern vermögen. Haben sie vielleicht den Eingang zu dem Tempel gefunden, den wir suchen?
Ich werde jedenfalls nicht zulassen, dass einer der Haarlosen seine Winzfinger an den Samen legt. Lafeya, Azlan, Goar… wenn es sein muss. Aber ein Zwerg? Ganz sicher nicht, solange ich noch einen Hauch Atem in meiner Lunge habe.

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Von der Hütte des Vendaril von Nibenay bis (wieder einmal) in die Mitte der Wüste

Und wieder einmal stehen wir auch einem Schlachfeld. Wieder einmal haben wir gewonnen, aber wieder einmal sind ein paar weitere Kratzer, Wunden und Narben hinzugekommen. Insbesondere Lynch hat diesmal viel einstecken müssen. Aber vielleicht ist das mal dran, sonst war ja immer ich diejenige, die umgekippt ist!
Und warum sind wir hier, wieder einmal in der Mitte des Nirgendwo? Ich würde jetzt gerne schreiben, in der brüllenden Hitze, die uns grillt und schwitzen lässt. Doch diesmal können wir sogar über Tag reisen. Dank eines neuen Rituals bin ich jetzt in der Lage und vom Wetter unabhängig zu machen. Weder Hitze noch Eis und Schnee, sollte es das je wieder geben, werden uns mit dieser Kraft der Natur etwas antun können. Aber warum sind wir hier? Eine verrückte Hoffnung treibt mich, uns, wie auch immer. Die Hoffnung, eine dieser Pflanzen zu finden, die die Essenz des natürlichen Lebens verkörpern, die so viel reine, unverbrauchte Energie besitzen, die jeden Garten erblühen lassen, die die Lösung für all meine Probleme wäre.
Bevor ich Lynch befreite, nahm ich ihm das Versprechen ab, keine hirnrissigen Einzelaktionen mehr zu machen. Ich kam mir sehr abenteuermäßig überlegt vor, dass ich ihm nicht einfach die Fesseln löste, sondern erst mit ihm handelte. Und ich bin wirklich überzeugt, dass ihn die ganze Geschichte etwas geläutert hat. Er ist seit dem sehr viel umgänglicher. Außerdem fand ich diese genialen Rituale, die mir und uns das Leben in der Wüste so sehr erleichtern werden. Und das Schwert, mit dem mich ab sofort jeder Gegner fürchten wird.
Der Defiler war entkommen. Das störte mich nicht so wirklich, eigentlich habe ich gar kein Interesse, ihm hinterher zu laufen, je weiter solche Leute von mir weg sind, desto besser! Auch das Elementar, welches diese riesige Explosion verursacht hatte, war nicht mehr da. ABER wir fanden Notizen, welche uns anzeigten, wo wir den Defiler wohl finden werden und was viel wichtiger war, weil es uns nämlich einen Grund gab, ihm zu folgen, die Notiz ließ darauf schließen, dass sich dort ebenfalls ein Samen des Baum des Lebens befinden würde.
Ich fühlte mich, als würden wir in einem Grab übernachten, doch wir waren so erschöpft, das nicht mehr daran zu denken war, erst nach Silversprings zu reisen. Also legten wir uns hin, auf diesem Schlachtfeld und ruhten aus. Obwohl dieser Ort so von negativer Energie verseucht war, fand in der Nacht doch ein Traum den Weg zu mir und zeigte mir diese Höhle, die wir suchten. Diese Höhle war das Paradies, sie war ergrünt, so grün wie ich meinen Wald noch nie sah. Sie lebte, so stark, wie ich es noch nie erlebt habe. Ich wusste, mein Weg würde mich zu dieser Höhle führen.
Nach einem kurzen Zwischenstop in Silversprings machten wir uns schnell auf den Weg. Wir reisten schnell und effizient auf den Kanks, doch auch diesmal wurden wir aufgehalten von Monstern, wie die Wüste sie bereit hält. Wir sind ein eingespieltes Team, doch ohne Goar musste Lynch diesmal sehr viel einstecken.
Jetzt reisen wir weiter, schnell und ohne große Rast, um die Höhle, das Leben, die Lösung meiner Probleme zu finden. Und dann wird alles gut…

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